Digitalisierungseffekt bei Mitarbeitern: Raus aus der Komfortzone!

Statt immer nur mit Argumenten wie Stress oder Überforderung gegen die Digitalisierung anzukämpfen, lohnt sich für Arbeitende auch einmal ein Blick auf die positiven Aspekte des Wandels. Die können neuen Pepp ins Arbeitsleben bringen.

Über die Digitalisierung lesen, hören oder mittendrin stecken, weil der eigene Arbeitgeber die Transformation angestoßen hat, kann respekteinflößend sein: „Wir müssen Mitarbeiter abholen und mitnehmen“, heißt es da; „Der digitale Wandel verändert die Arbeitswelt und hinterlässt Kollateralschäden“; „Die digitale Transformation soll Beschäftigte effizienter und produktiver machen“; „Wer keine digitalen Kompetenzen besitzt, hat verloren.“

An manchen Arbeitsplätzen geht es zu wie in einer Planwirtschaft.

Man muss es leider zugeben: Das alles hat schon seine Richtigkeit. Doch ist es nur die halbe Wahrheit. Die eine Seite der Transformation bedeutet tatsächlich Aufwand. Der Umgang mit neuen Technologien muss erlernt, neue Collaboration-Konzepte sollen ausprobiert und reflektiert werden und über Optionen wie flexible Arbeitszeiten oder -orte soll sich jeder Gedanken machen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben über Jahre bewusst oder unbewusst in einer Komfortzone gelebt, die sich teilweise angefühlt hat wie eine Planwirtschaft. Montags e-Mails beantworten, dienstags Meetings, mittwochs Statistiken auswerten, donnerstags Kundengespräche, freitags Projektentwicklung und After-Work-Getränk. Die Verantwortung trugen andere, einen Grund, aktiv zu werden, gab es nicht. Für Arbeitende in Fabriken war der Alltag noch vorhersehbarer. Für die einen ein sehr annehmbarer Zustand. Für andere einfach nur langweilig.

Damit ist es vorbei. Digitalisierung funktioniert nur als Mitmach-Konzept. Beschäftigte haben, wenn sie und das Unternehmen es ernst meinen, es ein Stück weit selbst in der Hand, aus einem bequemen und streckenweise lahmen Job eine Alternative mit abwechslungsreichen Aufgaben und Glücksmomenten zu schaffen – trotz Stress. Hier einige Beispiele für das, was man als einfacher Arbeitnehmer tun kann.

Beispiel 1: Entdecke Deine Stärken durch Weiterbildung

Dazulernen ist der wichtigste Part der Digitalisierung. Damit beginnt der Transformationsprozess und bildet die Grundlage für alle künftigen Entwicklungen, sowohl für Arbeitende als auch das Unternehmen. Jeder Beschäftigte sollte Angebote seiner Firma nicht mit dem Satz „Für diesen Optimierungsquatsch habe ich keine Zeit“ beiseite wischen. Damit stellt er oder sie sich selbst ein Bein.

Denn ganz profan gesagt, verliert tatsächlich immer derjenige, der sich dem Wandel widersetzt. Zum einen, weil sein Job möglicherweise wegdigitalisiert wird und mangels Kompetenzen im Betrieb keine andere Aufgabe möglich ist. Zum anderen, weil sich das Unternehmen vom Mitarbeiter mangels digitalem Know-how und als resilienzferner Bremser des Wandels trennt. Weiterbildung bringt nicht nur neues Leben in angestaubte Jobs. Sie ermöglicht auch, eigene Stärken neu oder überhaupt zu entdecken und den Job zu finden, den man mag.

Beispiel 2: Übernimm (Eigen-)Verantwortung, weil Du smart bist

Apropos digitale Kompetenzen. Digitales Wissen ist derzeit in allen Bereichen gefragt. Wissen im hochtechnologischen, smarten Zeitalter sichert nicht nur das eigene Einkommen. Wer schon immer mehr Verantwortung übernehmen wollte, hat hier die Gelegenheit dazu. Erforderlich ist, dass es im Unternehmen eine gute Fehlerkultur gibt, will heißen: Nicht alles kann sofort gelingen, Fehler sind erlaubt, solange daraus gelernt wird. Überhaupt erwartet auch der Arbeitgeber mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, die sich aus Aspekten wie flexiblen Arbeitszeiten (Stichwort Vertrauensarbeitszeit), Homeoffice oder agilen Arbeitsmethoden ergibt.

Beispiel 3: Sei zufriedener durch aktive Mitgestaltung

In Schulen wird abseits vom Unterricht die Teilnahme am Schulorchester oder der AG Schulhausgestaltung angeboten. Warum? Um die Gemeinschaft der „Schulfamilie“ zu stärken. Nichts anderes gilt für die Belegschaft und ihr Unternehmen.

Die Digitalisierung bietet eine Möglichkeit, die Zukunft der Firma mitzugestalten.

Die Digitalisierung bietet eine lang abstinente Möglichkeit, die Zukunft der Firma mitzugestalten und Teil eines Erfolgsmodells zu sein. Dann kann eine besondere Bindung zwischen Arbeitsplatz und Arbeitendem entstehen, kurzum, ein Job kann Spaß machen und die Wahrscheinlichkeit dazu ist höher, wenn man ihn selbst mitentwickelt. Hinzukommt: Aktive Teilnahme und Mitgestaltung führen dazu, dass im direkten Zusammentreffen verschiedener Managementebenen (und etwa dem Betriebsrat) bei Entscheidungen, direktes Feedback, Lob oder Kritik möglich sind. Statt Beschwerden in sich hineinzufressen oder die gute Arbeit der Kollegen nur zur Kenntnis zu nehmen, darf Face-to-Face oder im Social Intranet kommentiert und motiviert werden.

Beispiel 4: Entledige Dich langweiliger Aufgaben

Bullshit-Jobs und wie sie überwunden werden könntenNichts frustriert mehr als totlangweilige, immer wiederkehrende Tätigkeiten. Die so genannten Bullshit-Jobs fressen Mitarbeiter auf. „Ein Bullshit-Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos, unnötig oder gefährlich ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann.“ Die Definition des Kapitalismuskritikers David Graeber offenbart das ganze Debakel, mit der Digitalisierung ist zumindest Hilfe in Sicht. Denn Automationslösungen, die mit dem digitalen Wandel aufkommen, übernehmen repetitive Tätigkeiten und geben dem Mitarbeiter mehr Freiraum für spannendere Aufgaben. Support-Mitarbeiter einer schlecht funktionierenden Software könnten sich beispielsweise in Team-Projekte für die Produktentwicklung einbringen statt bereits existierende Lösungen immer wieder nachzubessern. Am besten ist es, man macht sich selbst schlau darüber, in welche Richtung sich der eigene Job entwickeln könnte, und stößt die Weiterentwicklung für sich selbst an.

Beispiel 5: Werde ernst- und wahrgenommen

Man kann von der Digitalisierung halten was man will – in jedem Fall sorgt sie für eine Diskussion darüber, wie die Unternehmensführung mit der Belegschaft umgeht. Ohne die Arbeitenden steckt die digitale Transformation im Betrieb fest.

Beschäftigte wollen mehr sein als nur ein Rechnungsposten.

Immer schon waren Mitarbeiter das wichtigste Gut einer Firma, allerdings hat das viele bisher wenig interessiert und der einzelne war nur ein Rechnungsposten. Wie es dieser Ressource ging, war zweitrangig. Das ändert sich gerade. Unternehmen beginnen etwa, die Büroumgebung an unterschiedliche Mitarbeitertypen anzupassen – separate Räume für konzentriertes Arbeiten, Meeting-Areas für Teams. Außerdem kommen sie der Belegschaft mit Ideen wie einer 4-Tage-Woche entgegen. Oder sie offerieren eben Weiterbildungszeit während des Arbeitsalltags. Sich als Arbeitnehmer/in in diesen Prozess einzubringen, bringt alle weiter.

Statt die Digitalisierung von vornherein zu verteufeln wäre jetzt die Gelegenheit, sich abholen zu lassen, die eigene Individualität zu trainieren mitzugestalten und mehr Pepp in den Job zu bringen.

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3 Kommentare

  1. Am bestens IST es, man macht sich selbst schlau darüber, IN welche Richtung sich der eigene Job entwickeln könnte, und stößt die Weiterentwicklung für sich selbst an.

    So wie der Satz da steht, ist er gänzlich unverständlich.

  2. Es gibt ja viele Beiträge zum Thema Zukunft der Arbeit, aber keiner bringt es so auf den Punkt, wie business-user!!!
    Hut ab, das ist guter Journalismus!

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