Lasst die eigenen Mitarbeiter Geschäftsideen entwickeln!

Neue Strategien und neue Ideen für Geschäftsmodelle sind gefragt wie nie. Doch nur ein Bruchteil der Unternehmen nutzt das Innovationspotential vor der eigenen Nase.

Intrapreneurship oder auch Incorporate Entrepreneurship ist für viele Unternehmen nach wie vor ein Fremdwort. Die Idee hinter diesem Konzept ist, dass die eigenen Mitarbeiter neue Business-Ideen entwickeln oder interne „Startups“ auf den Weg bringen. Die Mehrzahl der deutschen Unternehmen verzichtet jedoch auf diese Chance oder sieht keinen Sinn in solchen Initiativen. Stattdessen werden junge Unternehmen hinzugekauft, Kooperationen mit externen Partnern geschlossen oder Beratungsleistungen eingekauft.

Weiterbildung, interne Digitaleinheiten, externe Partner. Die Maßnahmen für die digitale Transformation sind vielseitig. (Bild: etventure)
Weiterbildung, interne Digitaleinheiten, externe Partner. Die Maßnahmen für die digitale Transformation sind vielseitig. Intrapreneurship wird dagegen vielfach noch stiefmütterlich behandelt. (Bild: etventure)

Laut einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom nutzen derzeit nur 7 Prozent der Unternehmen ab 20 Mitarbeitern dieses Potential für die Entwicklung neuer Geschäftsideen mit eigenen Programmen oder Projekten. Je kleiner die Organisation, desto weniger stark verbreitet ist das Interesse an Incorporate Entrepreneurship. Nur 6 Prozent der kleineren Betriebe mit 20 bis 99 Mitarbeiter setzen darauf, 14 Prozent diskutieren darüber oder planen Projekte. Bei mittelständischen Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern ist das Konzept schon häufiger anzutreffen. Hier versuchen laut Bitkom 14 Prozent der befragten Unternehmen die Innovationskraft der eigenen Mitarbeiter freizusetzen. 22 Prozent der Firmen mit 500 und mehr Beschäftigten fördern Projekte, knapp ein Viertel erwägt dessen Einsatz.

„Viele Unternehmen gehen neue Wege auf der Suche nach radikal neuen Geschäftsideen – der Digitalisierung wegen“, erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg. Dass aber nur eine Minderheit der Unternehmen die Kreativität der eigenen Mitarbeiter nutzt, nimmt er eher verwundert zur Kenntnis. Denn Organisationen seien gerade heute gefordert, ihre eigenen Business-Modelle zu hinterfragen oder neue Chancen zu erarbeiten.

Berg sieht auch in Kooperationen mit Unternehmen aus der Digitalbranche oder in der Zusammenarbeit mit Startups durchaus gute Möglichkeiten für die Innovation. „Jedes Unternehmen ist aber auch gut beraten, das wichtigste Kapital mit einzubeziehen: die eigenen Mitarbeiter“, setzt Berg nach. Denn in Unternehmen aller Größe finde sich Unternehmergeist. Entscheidend dabei sei aber, diesen Potentialen auch „Zeit und Raum“ für deren Entwicklung zuzugestehen.

Unterstützung für die Geschäftsideen der eigenen Mitarbeiter

Doch wie unterstützen Unternehmen die eigenen Intrapreneurs? Bei über 50 Prozent der Firmen stehen den Projekten Ressourcen wie Geld, Räume oder technische Geräte zur Verfügung. Fast genauso häufig sind Weiterbildungen oder Coachings für Mitarbeiter. Ein Fünftel dieser Unternehmen bildet Projektteams, die sich zeitweise oder sogar dauerhaft aus dem Tagesgeschäft zurückziehen können, um neue Ideen zu entwickeln. 17 Prozent fördern die Ausgründung von Startups aus dem eigenen Betrieb heraus.

„Unternehmergeist findet sich in jedem Unternehmen, unabhängig von seiner Größe – man muss nur bereit sein, ihm Zeit und Raum zu geben.“

Was Unternehmen davon abhält, die Potentiale in der eigenen Organisation frei zu setzen, ist zum einen Unkenntnis: Etwa 46 Prozent der befragten Unternehmen kannten das Konzept nicht. Rund 30 Prozent der Unternehmen sahen darin keinen Sinn. Etwa ein Fünftel fürchtet einen zu hohen Ressourcenaufwand und 13 Prozent glauben, dass es von Seiten der Mitarbeiter zu wenig Unterstützung dafür gibt. Weitere 12 Prozent nennen mangelndes Know-how der eigenen Belegschaft als Hinderungsgrund. Fehlende Rückendeckung durch die Geschäftsleitung beklagten laut Studie aber nur 7 Prozent der Unternehmen.

Für die Studie befragte Bitkom Research Geschäftsführer und Vorstände aus 604 Unternehmen mit 20 und mehr Mitarbeitern.

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