Homeoffice ja oder nein? Es kommt auf Sie selbst an!

Homeoffice wird gern mit „mobiler Arbeit“ gleichgesetzt, die nach Freiheit und großer Souveränität bei Zeit und Ort klingt. Dabei ist die Arbeit von zuhause nur einer von vielen flexiblen Arbeitsorten, ein ziemlich statischer dazu und längst nicht das Nonplusultra für alle Berufstätige.

Bei der Diskussion Pro oder Contra Homeoffice gibt es kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Es kommt auf die Arbeitenden selbst an, wie sie arbeiten und was sie aus ihrer Arbeitssituation machen. Arbeiten sie etwa dauerhaft von daheim oder nur tageweise? Brauchen sie absolute Ruhe, um sich zu konzentrieren, oder lassen sie sich von schaffenden Kolleginnen und Kollegen inspirieren und anregen? Neigen sie eher zum „Höhlenmenschentum“, die nichts um sich herum brauchen, oder schöpfen sie Energie aus dem Gewusel um sie herum? Fast alle Argumente in die eine Richtung haben ihr Gegenstück in die andere, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Das Setting

Warum Homeoffice noch nicht durchstarten kannEinerseits: Morgens nicht aus dem Haus zu müssen, ist ein Luxus. Niemand sieht die Jogginghose, der Pendlerstau ist weit weg. Raumtemperatur und Licht sind dem eigenen Empfinden angepasst. Beim Meeting bleibt man einfach sitzen, Collaboration Tools sei Dank – wenn möglich ohne Kamera, denn auf dem Schreibtisch herrscht das eigene Chaos – und nicht das der anderen im von der Gruppe davor einfach verlassenen Meetingraum. Telefonieren geht auch auf der Couch und die winzigen Telefonkabinen in den Großraumbüros muss man nie von innen sehen. Wie gemütlich alles.

Andererseits: Wenn es keinen Grund gibt aufzustehen, wird das auch gerne mal vergessen. Fast jeder zweite Berufstätige sitzt am Computer (48 Prozent), so das Ergebnis des Digital Office Index des Branchenverbandes Bitkom. Der Rücken leidet im Homeoffice mindestens ebenso wie im Büro. Bei geringer physischer Aktivität steigen zudem das Herzinfarktrisiko und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommt: Das Homeoffice ist nicht selten der Küchentisch, ebenfalls mit nicht unbedingt ergonomisch geformten Stühlen. Nichts kann liegenbleiben, wenn mittags die Kinder kommen. Dann ist Aufräumen angesagt.

Die Zeiteinteilung

Methoden und Tools für Selbstorganisation und ZeitmanagementEinerseits: Wann und wo (Küche, Wohnzimmer, Terrasse) man die Arbeit erledigt, bleibt einem selbst überlassen. Zudem wird die Idee von der Zeitsouveränität und dass es auf die Leistung statt auf die abgesessene Zeit oder das pünktliche Erscheinen am Morgen ankommt, ein Stück realer (Stichwort Faire Vergütung). Vorgesetzte haben weniger Kontrollinstrumente (außer die Zeiterfassung), was sie wahrscheinlich ärgert, Berufstätigen aber mehr Freiheit bei der flexiblen Arbeitszeitgestaltung gibt.

Andererseits: Wichtig ist, den eigenen Tag zu strukturieren. Wer sich die Zeit selbst einteilen kann, darf Pausen einlegen, wenn sie oder er unproduktiv ist, und Sprints, wenn man sich gerade gut konzentrieren kann. Allein: Der eigene Tagesplan, die To-Do-Liste, wird nirgendwo so gern den Haufen geworfen wie im Homeoffice. In der Regel sitzen Homeoffice-Kollegen länger, was manchmal an Selbstausbeutung grenzt. Nicht jeder verfügt über die nötige Disziplin. Laut einer Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) finden Menschen ihre Homeoffice-Arbeit als weniger bedeutend als jene, die im Büro getätigt wird. Aus dem schlechten Gewissen heraus arbeiten sie noch mehr.

Gerüche, Geräusche, Gossip

Einerseits: Wer im Homeoffice sitzt, kann sich von unangenehmen Gegebenheiten im Büro abschotten: dem Geruch des Thunfisch-Sandwichs des Sitznachbarn etwa oder dem Fencheltee der sonst so netten Kollegin (aber Fenchel?). Niemand zwingt einem auf, über das letzte Wochenende zu reüssieren oder sich den neuesten Klatsch&Tratsch (engl. Gossip) anzuhören. Und nichts ist nerviger als diskutierende Kolleginnen und Kollegen am Nebentisch, wenn man gerade versucht, sich zu konzentrieren.

Andererseits: Ist es nicht schön, neue Snacks und Gerichte fürs Büro kennenzulernen? („Was isst der denn Leckeres“?) Freut man sich nicht auch mal, dem Flurfunk in den Bürogängen zu lauschen und zu erfahren, was die Neuen so am Wochenende machen?

Firmenkultur und Stimmung

Abgeschnitten im Homeoffice – Wie wäre es mit einer virtuellen Kaffeepause?Einerseits: Die schlechte Stimmung im Büro steckt nicht an, wenn man im Homeoffice sitzt. Eine vergiftete Firmenkultur im Betrieb tötet die eigene Motivation und den Spaß an der Arbeit. Daheim sind leckeres Essen, gute Musik und die Sonne auf dem Balkon, niemand ist lästig oder kontrolliert. Die schlechte Laune der Kollegen krabbelt nicht durchs Netz. (Oder doch?)

Andererseits: Wenn daheim wieder einmal nichts vorwärts gehen will, wäre ein Smalltalk in der betriebliche Kaffeeküche doch ein Segen, oder? Kreative Pausen verordnet man sich selten selbst, das übernehmen andere, wenngleich meist zufällig. Abgeschnitten im Homeoffice kann zur Falle werden. Denn remote kann man wenig zur Stimmung im Betrieb beitragen. Und es gibt auch weniger Möglichkeiten, sich ins Unternehmen einzubringen, sich zu engagieren oder eigene Ideen im direkten Gespräch zu äußern und anzustoßen. Obwohl Chats oder Videokonferenzen Nähe schaffen, muss man aktiver sein als im Vorbeigehen einen geknickten Kollegen zu sehen und zu fragen „Brauchst Du Hilfe?“

 

Das könnte Sie auch interessieren

2 Kommentare

  1. Hallo Simone Schnell,
    nun lese ich fast regelmäßig Ihre Beiträge und stelle fest: Sie sind keine begeisterte Freundin von Großraumbüros, Teamarbeitsplätzen und Homeoffice. Doch die Realität und vielfach die Notwendigkeit im Büroalltag schaffen andere Rahmenbedingungen. Ich habe professionell mit genau diesen Themen täglich zu tun und kenne die vielschichtigen Probleme beider Seiten: Unternehmen wollen Produktivität und Effizienz, Mitarbeiter/innen suchen nach Sinn und Freiraum. Das ist vereinbar, wenn auch mit einigem Nachdenken und Kompromissen auf beiden Seiten. Wenn Sie Lust haben, sprechen wir einmal ausführlich darüber, was dann auch veröffentlich werden kann.

    1. Hallo Herr Feldmann,
      erst einmal freuen wir uns sehr, dass Sie unsere Beiträge regelmäßig lesen.
      Ich muss Ihnen allerdings in Teilen widersprechen: Ja, ich bin kein Fan von Großraumbüros, bei meiner Arbeit bevorzuge ich Ruhe. Teamarbeitsplätze und Homeoffice dagegen finde ich prima Modelle für alle, deren Arbeit damit bereichert wird (immer oder zeitweise) oder sie ihren Tag stressfreier gestalten können. Sehr gerne können wir uns über Kompromisse und neue Ideen der Bürogestaltung einmal austauschen!

Was meinen Sie dazu?

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close