„Arbeit ist nicht mehr das was man tut, sondern das, was man denkt“

Interessante These von Fuze. Der Anbieter der gleichnamigen Kommunikationsplattform nennt in einer Studie Trends, die die Rolle des Menschen in der Zukunft der Arbeit beschreiben. Vor allem Unternehmen werden sich umstellen müssen.

„Ich gehe zur Arbeit“ wird bald ein schöner Retro-Satz sein. Denn immer häufiger kann die Arbeit zu den Arbeitenden kommen.

„Arbeit ist nicht mehr das was man tut, sondern das, was man denkt“. Beim ersten Lesen des Satzes kommt einem kurz dieser Gedanke: Werden Menschen in Zukunft nur noch in Waben sitzen und mit Gedanken Dinge und Prozesse steuern? Diese dystopische Vorstellung kann man getrost beiseite legen. Darum geht es in der Fuze-Studie, die diesen Satz enthält, nicht. Aber: Nichts bleibt wie es bisher ist. Denn die Art, wie Menschen arbeiten, wo, womit und wann, macht derzeit eine gravierende Verwandlung durch. Arbeit ist schon heute kein Diktat mehr von Unternehmen und Chefs, bei dem die Belegschaft sich still zu verhalten hat und das tut, was von ihr verlangt wird, ohne Mitsprache oder Freiheiten.

Der Reiz, von überall aus zu arbeiten und zeitlich flexibel zu sein, ist groß. (Quelle: Fuze)
Der Reiz, von überall aus zu arbeiten und zeitlich flexibel zu sein, ist groß. Allerdings muss das entsprechende IT-Equipment stimmen. (Quelle: Fuze)

Je weiter sich die Arbeitswelt entwickelt, desto mehr verändert sich das Arbeitsumfeld, durch neue Technologien wie Collaboration– und Automatisierungslösungen oder Künstliche Intelligenz (KI) sowie durch neue Denkansätze hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Beschäftigten und Unternehmen.

Noch immer geht es naturgemäß um das Ergebnis, das Produkt oder die Dienstleistung, die verkauft werden soll, doch der Weg dorthin, Arbeitsprozesse und -methoden, sind heute andere als noch vor ein paar Jahren. Das ist es unter anderem, was Fuze mit „Arbeit ist das, was man denkt“ meint. Anhand der Antworten von 6.600 Wissensarbeitern aus neun Ländern haben die Studienautoren Trends formuliert, mit denen sich Belegschaften, Gewerkschaften und Firmen in der Zukunft auseinandersetzen werden müssen.

Arbeit als individuelles Mindset der Beschäftigten

Im „Work-as-a-Service-Modell“ bestimmt nicht ausschließlich das Unternehmen den Arbeitsmodus der Angestellten. Arbeitende bieten ihre Arbeitskraft an – nach ihren Bedingungen. Das bedeutet nicht die Umkehrung des Arbeitsverhältnisses. Aber dreht den Spieß insofern um, als dass Arbeitende dann „ihre Arbeit“ machen, wenn sie effektiv, produktiv und kreativ sein können. Das Stichwort lautet „Flexible Arbeit“ und 73 Prozent der Befragten der Fuze-Studie geben an, außerhalb ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu arbeiten, weil sie dann produktiver sind.

Das ist konfliktgeladen, aber nicht unlösbar. Über die Hälfte der Studienteilnehmer (54 Prozent) würden für diese Möglichkeit sogar das Unternehmen wechseln und 57 Prozent würden einen Job ohne festgelegte Arbeitszeiten bevorzugen. Unternehmen werden sich darauf einstellen müssen, „Arbeit“ buchstäblich mehr den Arbeitenden zu überlassen.

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Flexible Arbeit, flexibles Büro

„Ich gehe zur Arbeit“ wird womöglich bald ein schöner Retro-Satz sein. Denn immer häufiger kann die Arbeit zu den Arbeitenden kommen. Digitale Tools ermöglichen Arbeit aus dem Homeoffice, einem Café oder Coworking-Space. Ist der Gang ins Büro heute noch die fast einzige Möglichkeit, sich mit Kollegen zu treffen, wird Zusammenarbeit in Zukunft deutlich virtueller sein. Teams sitzen verteilt auf dem Globus oder auch nur in verschiedenen deutschen Städten und können dennoch gemeinsam an einem Projekt arbeiten.

Das Erscheinungsbild von Firmenbüros ändert sich. Laut einer Studie werden bis 2030 30 Prozent der Unternehmensportfolios aus flexibel nutzbaren Flächen wie Coworking, Inkubator‐ und Accelerator‐Räume bestehen. (Quelle: Fuze)
Das Erscheinungsbild von Firmenbüros ändert sich. Laut einer Studie werden bis 2030 30 Prozent aus flexibel nutzbaren Flächen wie Coworking oder Inkubator‐Räumen bestehen. (Quelle: Fuze)

Die Unternehmensimmobilie ist in ihrer aktuellen Form angezählt. In Zukunft werden die Gebäude anders genutzt werden. Schon heute kommen 53 Prozent der Beschäftigten ins Büro, um bei spezifischen Projekten persönlich mitzuarbeiten, 47 Prozent, um Kontakte zu halten, und 35 Prozent kommen nur, um sich mal wieder bei den Kollegen blicken zu lassen. Für Unternehmen heißt das: Geschäftsräume so anzupassen, dass statt einem Schreibtisch für Jede und Jeden Arbeitsbereiche vorhanden sind, die das Zusammenkommen von Kollegen und Teams bestmöglich unterstützen.

Kreativität ist der Motor der Ökonomie am Arbeitsplatz

Wenn Unternehmen Leute einstellen, dann deshalb, weil sie davon ausgehen, dass die Neuen den Betrieb voranbringen – weil sie entsprechende Kompetenzen besitzen, Lust auf den Job haben und kreativ genug sind, neue Impulse zu setzen. Die Kreativität, zu einem der wichtigsten Kriterien der modernen Arbeitswelt stilisiert, aus Mitarbeitern herauszukitzeln, ist ein komplexes und aufwändiges Unterfangen. Man darf sich dabei nicht „den Mitarbeiter“ vorstellen, der im Büro steht und sagt: So, jetzt triggere mich. Im Grunde will er beziehungsweise sie ja genau hier, sonst hätte man sich anderswo beworben.

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Allerdings sind die Ansprüche, die zur eigentlichen Tätigkeit hinzukommen, hoch und anders als früher. Der reine maximale Gehaltscheck, ehemals Anreiz genug, auch wenn die Arbeit öde war, wird ersetzt (oder besser: ergänzt) durch eine Reihe weiterer Kriterien, zum Beispiel die Möglichkeit, Privatleben und Beruf gut zu vereinbaren (Work-Life-Balance) und damit verbunden die Freiheit, zu arbeiten wann und wo man möchte.

Kreativität auf Knopfdruck hat noch nie funktioniert und auch Produktivität nach Vorschrift ist ausreichend vielen Studien zufolge kein Erfolgsrezept mehr. Zudem sollten Beschäftigte Zeit haben, Ideen zu entwickeln, etwa durch den Einsatz von KI und Automationslösungen, die dröge, repetitive Arbeiten übernehmen, um Arbeitenden mehr kreativen Freiraum zu verschaffen. Programme zur Mitarbeiterbindung, eine positiven Unternehmenskultur oder neue Vergütungsmodelle können weitere Trigger setzen.

Unternehmen müssen die „Mitarbeiter-Brille“ aufsetzen

Fuze beschreibt die Zukunft der Arbeit aus dem Blickwinkel der Arbeitenden. Die Trends erinnern Unternehmen daran, dafür zu sorgen, dass die Belegschaft gerne das tut, wofür sie „eingekauft“ wurde. Dabei kommt ihnen unter anderem die gesellschaftliche Diskussion um die Automatisierung am Arbeitsplatz entgegen. Dominierte bislang die Angst vor dem Jobverlust die Debatte um KI und Co., zeigt sich in der Studie, dass Belegschaften zunehmend auch die Vorteile ihres Einsatzes wahrnehmen. 58 Prozent der befragten Arbeitenden glauben, dass ihnen die Automatisierung Aufgaben abnehmen wird und sie sich interessanteren Tätigkeiten widmen können.

Firmen sollten unbedingt nutzen, dass Beschäftigte sich heute einbringen wollen.

Darüber hinaus können und sollten Unternehmen unbedingt nutzen, dass Beschäftigte sich einbringen wollen. Wer sich für einen bestimmten Arbeitgeber entscheidet, will etwas bewegen, teilhaben und mitdenken dürfen. Es wäre höchst nachlässig, wenn sich Firmen dieser Engagement- und Motivationsquelle einen Riegel vorschöben.

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