Digitaler Arbeitsplatz: Wo es am meisten klemmt

 Mit dem Begriff „digitaler Arbeitsplatz“ verbinden Unternehmen wie Mitarbeiter Erfolgsfaktoren wie Produktivität und Flexibilität. Doch nur 17 Prozent der Firmen bieten derzeit eine digitale Umgebung an. Die Herausforderungen sind einfach sehr groß.

Mobiles und agiles Arbeiten, Collaboration, unternehmensweit geteiltes Wissen und Content oder die Vernetzung der eigenen Geschäftsprozesse sowie die gemeinsamen mit Partnern und Zulieferern prägen die Definition des Begriffs „digitaler Arbeitsplatz“. Mitarbeiter erwarten oder wünschen sich zumindest immer häufiger von ihrem Arbeitgeber, dass er Dienste wie standortunabhängige Arbeitsplätze sowie Video- und Web-Conferencing zur Verfügung stellt, damit Aufgaben effizient und vor allem auch außerhalb des Büros erledigt werden können.

Arbeitnehmer im privaten Homeoffice sind oft digitaler ausgestattet als im Büro. (Quelle: communardo)

Doch obwohl Unternehmen das alles bewusst ist, beschäftigt sich knapp ein Fünftel (19 Prozent) der befragten Unternehmen derzeit noch nicht mit dem Thema Digital Workplace, lautet das Ergebnis einer Umfrage des Digitalisierungsberaters communardo. Bei etwas mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer wurden zumindest erste Projekte umgesetzt. Nur 17 Prozent aber bieten bereits einen Digital Workplace als zentralen Service an. Warum sind es nicht mehr Unternehmen?

Die communardo-Umfrage „Digital Workplace Trends 2019“ (pdf) zählt die Herausforderungen für einen digitalen Arbeitsplatz auf. Für die Treiber der digitalen Transformation, darunter die Geschäftsleitung, die IT-Abteilung sowie die Fachabteilungen, gilt es in der Tat, enorme Hürden zu überwinden.

Die Geschäftsführung

Um eine Veränderung im Unternehmen anzustoßen und umzusetzen, braucht es eine Strategie. Im Fall der digitalen Transformation heißt das, eine Digitalstrategie muss her, die neben der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf der Basis moderner Technologien auch den Arbeitsplatz mit einbezieht. Es geht fortan nicht mehr nur um Customer Experience, sondern auch um das Mitarbeitererlebnis. Die Digitalstrategie sollte mit der Unternehmensstrategie im Einklang oder noch besser Teil davon sein und beinhalten, welche Anwendungen, Prozesse und Mitarbeiterkonzepte wie und mit welchen Lösungen digitalisiert werden sollen.

Digitalstrategie? Bei jedem vierten Unternehmen Fehlanzeige!

Wahrscheinlich gibt deshalb aktuell jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) an, keinerlei Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels zu verfolgen, wie der Branchenverband Bitkom in einer neuen Studie ermittelt hat. Gerade einmal 15 Prozent aller Unternehmen haben einen Digital-Verantwortlichen wie einen Chief Digital Officer (CDO) oder Leiter Digitalisierung eingesetzt, bei dem die Fäden aus allen Teilen des Unternehmens zusammenlaufen und der den Überblick behält – schon während der Entwicklung einer Digitalstrategie. Zwar gehen die Meinungen darüber auseinander, wo die strategische Planung angesiedelt sein sollte – eben beim CDO oder doch der IT-Abteilung. Die Tatsache jedoch, dass es der Planung bedarf und dafür fähige Leute in den Chefetagen braucht, ist dagegen mehr als unstrittig.

Woran es liegt, dass noch viele Unternehmen nur langsam den Schritt zum digitalen Arbeitsplatz von morgen zu gehen, machen communardo-Umfrageteilnehmer größtenteils am fehlenden Commitment von Seiten des Vorstands oder der Geschäftsleitung fest. Oftmals wüssten die schlicht nicht, was mit dem Wandel alles verbunden sei und so dominierten eher Sorge und Vorsicht statt Mut und Gestaltungswille.

Die IT-Abteilung

Von IT-Abteilungen wird verlangt, sich vom Application Management zum Vorantreiben einer ganzheitlichen dynamischen Plattform zu bewegen. Neben der Einführung von Kollaborations- und Kommunikationsanwendungen als Teil einer Gesamtvision müssen die Techniker auch mitunter seit Jahren bestehende Technologie-Silos auflösen. Die sind aus den unterschiedlichen Bedarfen an Tools und Anwendungen in den Unternehmensbereichen entstanden. Sie führen zu Medienbrüchen und erschweren das Arbeiten für Beschäftigte, vom Datenschutz und der DSGVO ganz zu schweigen.

Eine gesamtheitliche Vernetzung im Unternehmen und ein abteilungsübergreifender Wissensaustausch fällt aber eben auch unter den Begriff „digitaler Arbeitsplatz“. Neue Lösungen zu finden oder bestehende umzustrukturieren kostet Zeit, ebenso die Einführung und technische Implementierung – Zeit-Ressourcen sind bekanntlich ein sehr knappes Gut.

Die Fachabteilung

Bei jener Implementierung spielen die Abteilungen wie Vertrieb, Personal, Unternehmenskommunikation, Produktmanagement oder auch Projektleitung eine große Rolle. Sie wissen am besten, was sie brauchen – vorausgesetzt die Führungskräfte haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Wenn sie es richtig angehen, werden hier organisationsumfassende Veränderungen, die zudem mit den Arbeitsprozesse aller anderen Fachbereiche abgestimmt sind, angestoßen.

Mobile Working, Zusammenarbeit, Inhalte und Prozesse sind heute die Eckpfeiler des digitalen Arbeitsplatzes. (Quelle: communardo)

Fazit

Betrachtet man die Hürdenliste von communardo wird klar, dass die digitale Transformation kein Spaziergang ist. Trotzdem: Viele Unternehmen haben das Potenzial und die Notwendigkeit erkannt, die Veränderungen anzugehen. Immerhin wurden laut communardo bei etwas mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer zumindest erste Projekte umgesetzt. Eine unternehmensweite Digital Workplace-Strategie ist dennoch bei noch keinem der befragten Unternehmen aufgesetzt. Und doch wäre das ein wichtiger Anfang sowie ein Signal an weitere Führungskräfte und Mitarbeiter, dass das Unternehmen sich weiterentwickeln und als Arbeitgeber attraktiv bleiben will.

Wie das gehen kann zeigen immer wieder große Konzerne wie Henkel, Porsche, Siemens oder Continental, die zugegeben im Vergleich zu Mittelständlern Ressourcen-Vorteile genießen. Kleinere Firmen können sich aber davon inspirieren lassen und so einen eigenen Weg ins digitale Zeitalter finden.

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2 Kommentare

  1. Hallo,
    sehr gern würden wir dieses wichtige Thema vorantreiben und umsetzen, jedoch hapert es bereits an der nicht vorhandenen anständig dimensionierten Datenleitung. Bsp.: Bei uns wird eine Umgehungsstrasse gebaut. In diesem Zuge wird auch die Strasse neu asphaltiert. Vor gut einem Jahr akquirierte die deutsche Glasfaser um genügend Abschlüsse für den Ausbau mit Glasfaser zu erreichen. Leider bekommen die nicht genügend Verträge zusammen, was jetzt zu dem Ergebnis führt, das das Projekt gestorben ist. Vergleicht man die Strukturen bei unseren skandinavischen Nachbarn, hört eine akkurat ausgelegte Datenleitung zum Standard, dafür sorgt das Land. Deutschland und die Regionen sind von der Weltspitze weit abgeschlagen. Eine anständige Anbindung müsste Standard werden, wie eine Wasserleitung. Solange das nicht passiert und die Unternehmen selbst für den Netzausbau sorgen soll, wird das Thema Digitalisierung nicht voran kommen. Die Möglichkeiten müssen geschaffen werden, dann wird es auch Umsetzungen geben. Bisweilen schlagen wir uns noch mit einer albernen Kupferleitung rum. Hätten wir Glasfaser, wären wir vor2 Jahren bereits dort, wo unsere Nachbarländer heute sind.

    1. Danke für Ihnen Kommentar Herr Schulze und danke dafür, dass Sie mir (ebenfalls Landbewohner) aus der Seele sprechen. Was Sie beschreiben ist eben das Resultat, das man bekommt, wenn man Strukturpolitik komplett der Wirtschaft überlässt und deren Interessen nichts entgegenzusetzen hat.

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