CDO oder Digital-Abteilung – Wer leitet die digitale Transformation?

Wer ist zuständig für die Umsetzung der digitalen Transformation im Unternehmen? Der Chef ist meistens zu weit weg vom Geschehen und für einzelne Fachabteilungen ist die Aufgabe eine Nummer zu groß. Hier die Vor- und Nachteile der gängigsten Optionen. 

Die Digitalisierung wirft in der Business-Welt viele Fragen auf. Was genau soll digitalisiert werden? Gibt es dafür ein Budget und wofür soll es ausgegeben verwendet? Welche digitalen Technologien sollen welche Bedürfnisse abdecken? Und wer ist federführend zuständig für das alles? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht einfach zu geben und jeder im Unternehmen hat wahrscheinlich eine andere Meinung. Hier die Optionen im Detail.

Die Geschäftsleitung

Immer weniger Chefs gehen bei Innovationen voran.
Immer weniger Chefs gehen bei Innovationen voran. (Quelle: Bitkom)

Schießlich hat sie entschieden, dass der digitale Wandel das Unternehmen zukunftsfähig machen soll. Und ihre Aufgabe ist es, auch unbeliebte Entscheidungen zu treffen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Laut einer Bitkom-Studie allerdings ist das Thema immer seltener Chefsache. Weniger als der Hälfte der Unternehmen werden danach Digitalisierungsprojekte und digitale Innovationen vom Vorstand oder der Geschäftsleitung angestoßen. 2016 war dies noch in 51 Prozent der Unternehmen der Fall.

Die Studie der Berater von Horváth&Partners kommt sogar zum Ergebnis: Nur noch 8 Prozent der CEOs werden als hauptverantwortlich für Entwicklung und Umsetzung der Digitalstrategie gesehen. Je mehr Digitalisierungsprojekte angeschoben würden, desto eher hätten Abteilungsleiter den Hut auf. Wirklich überraschend ist das nicht. Die einzelnen Abteilungen, sei es Marketing, Vertrieb oder Produktion, können ihr Ohr näher an den Kunden legen und Lösungen schaffen, die sowohl dem Unternehmen als auch den Kunden dienen.

Die IT-Abteilung

Digitalisierung hat etwas mit Technologie zu tun, also könnte das doch die IT-Abteilung machen. Das erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Was dagegen spricht: Zum einen ist sie meistens heillos überfordert. Mit administrativen Aufgaben für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur beschäftigt, bleibt für komplexe IT-Herausforderungen und neue Geschäftsfelder ganz einfach keine Zeit.

ITler und Manager in einer Person findet man selten

Auch reichen die Investitionen in die IT-Sparte in der Regel nicht aus, um Freiräume zu schaffen. Zum anderen seien bei der Digitalisierung hauptsächlich Führungsqualitäten gefragt, sagt ein Headhunter im Manager-Magazin. „Wirklich gute Manager müssen keine IT-Leute sein, sondern Führungskräfte, die die Digitalisierung neben vielen anderen Anforderungen managen können.“

Die Marketing- und Vertriebs-Abteilungen oder der Produktionsleiter

Sieht man die Digitalisierung allein aus der Sicht des Kunden, sind die Marketing- und Vertriebsabteilungen grundsätzlich eine gute Anlaufstelle. Sie können beraten und Digitalisierungsprojekte „gut an den Mann“ bringen. Die digitale Transformation ist aber kein isoliertes Konzept einer Firmensparte.

Je mehr man sich damit beschäftigt, umso deutlicher wird, dass Konzepte und Lösungen ineinandergreifen müssen: Wenn Unternehmen beispielsweise mit Analyse-Tools Kunden besser kennenlernen, wächst der Bedarf nach immer individualisierteren Produkten, was mehr Effizienz bei der Produktion erfordert. Helfen können hier Automatisierungslösungen, die in die IT-Infrastruktur eingebunden werden und wofür es Fachkräfte braucht (Personalabteilung!). Unabgestimmt führen solche sinnvolle Ideen aber zum Chaos – und die Bereitschaft zu digitalisieren ist dahin.

Der Chief Digital Officer

Der Chief Digital Officer, ein durch die Digitalisierung entstandenes Berufsbild, könnte eine Lösung sein. Er oder sie kann auch den Titel Chief Transformation Officer tragen – jedenfalls handelt es sich um einen Alleskönner: Firm in digitalen Technologien, ausgestattet mit Führungsqualitäten, Organisationstalent sowie mit strategischer und kaufmännischer Denke. Mindestens das. Darüber hinaus braucht es den Mut, Entscheidungen zu treffen, und Geduld, weil Digitalisierung eben kein Wochenprojekt ist. Die Hälfte der Befragten der „Chief Digital Officer Studie 2018“ der Quadriga Hochschule Berlin in Kooperation mit dem Beratungshaus TMG Consultants möchten die digitale Transformation auf dem C-Level sehen, zusammen mit dem CDO.

Der CDO muss ein Alleskönner sein.
Der CDO muss ein Alleskönner sein. (Quelle: Quadriga Hochschule)

Der trägt einen ziemlich schweren Rucksack, denn niemand hat ihm seine Aufgaben beschrieben und er weiß oftmals auch nicht, wie sein Verhältnis zum CIO oder CEO ist. In der Studie heißt es: „Manchmal drängte sich bei den Gesprächen auf, dass die Position des CDO primär geschaffen worden war, um sich nach außen hin öffentlichkeitswirksam als innovatives und zukunftsorientiertes Unternehmen zu profilieren.“

Und dennoch gibt es laut CDO-Kompass über 320 CDOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wenn man allerdings überlegt, wie viele Unternehmen allein in Deutschland aktiv sind – 2016 waren es allein 62.335 Unternehmen mit 50 bis 249 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, insgesamt sind es rund 3,5 Millionen Unternehmen – kommt man zum Schluss: entweder sehen viele keine Notwendigkeit für einen CDO, oder es gibt nicht genügend. Die Spezialisierung eines solchen Postenträgers ist immens. Gut vorstellbar also, dass auch sie Teil des Fachkräftemangels sind.

Digital Transformation Office

Alle Erkenntnisse zusammengenommen, läuft es möglicherweise auf ein Gremium hinaus, das sich gezielt allen Belangen der digitalen Transformation widmet. Es kann Digital Transformation Office heißen oder Digital-Abteilung oder irgendeinen anderen Namen haben. Wichtig ist, dass hier alle Fäden zusammenlaufen und zwar nicht nur, was die Anschaffung neuer Technologien angeht.

Im Digital Transformation Office wird die Last auf mehrere Schultern verteilt

Hier wird die Digitalsgtrategie entwickelt: Welche Prozesse sollen wann digitalisiert werden? Wie und wo holen wir die Mitarbeiter ab? In welcher Form modernisieren wir die Unternehmenskultur und passen sie digitalen Konzepten an? Die Mitarbeiter dieses Gremiums arbeiten mit Personalern zusammen, die sich intern und extern auf die Suche nach Fachkräften machen, oder zeitweise Berater hinzuziehen, die sich mit der Bildung eines solchen Offices auskennen. Die Digitalkollegen überwachen und organisieren Projekte. Und sie sind Anlaufstelle für Probleme im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Die Last wird im Digital Transformation Office auf mehrere Schultern verteilt. Gleichzeitig ist der Bereich Schnittstelle zum obersten Management.

Weil die digitale Transoformation im Unternehmen ein langfristiges und sich ständig änderndes Projekt mit vielen Baustellen ist sitzen hier Leute mit Management-Qualitäten genauso wie mit technischem Sachverstand. Für CDOs könnte eine solche Digital-Zentrale zumindest eine mittelfristige Jobgarantie sein. In der CDO-Studie wird Jan Kegelberg, CDO bei Sport-Scheck, so zitiert: „Der CDO ist nicht für die Ewigkeit. Wir werden so digital sein und so vernetzt denken und arbeiten müssen, dass in fünf oder spätestens zehn Jahren alle Führungspersonen digital denken müssen“. Man wird sehen.

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