„Zukunftszentren“: Neue Anlaufstellen helfen Mittelständlern bei der digitalen Transformation

Der digitale Wandel trifft jedes Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe. Doch gerade Mittelständler hadern mit Aufgaben wie Weiterbildung und neuen Technologien.  Die „Zukunftszentren“ sind eine neue Anlaufstelle – aber nicht die einzige.  

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat jetzt den Startschuss für die Schaffung von fünf „Regionalen Zukunftszentren“ in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegeben. Diese sind Teil der Digitalstrategie der Bundesregierung. Bis 2022 sollen mehr als 36 Millionen Euro bereitstehen, um die ostdeutschen Bundesländer „gezielt dabei zu unterstützen, die großen Veränderungsprozesse zu bewältigen und sozial zu gestalten“, beschreibt Staatssekretär Björn Böhning das Ziel. Handlungsbedarf ist grundsätzlich mehr als geboten, wenn man einen Blick auf aktuelle Studien wirft. Danach ist die Digitalisierung in Deutschland zwar ein gutes Stück vorangekommen. Doch vielen erscheint der bisherige Erfolg eher mittelmäßig.

Konkret geht es in den Zukunftszentren etwa um die Weiterbildung von Beschäftigten. Da Mittelständler nur selten Budget und Expertise für die Entwicklung von Weiterbildungs– und Qualifizierungsangeboten haben, unterstützen Experten in den Zukunftszentren Firmenlenker bei innovativen Strategien und zeigen ihnen, wie sie etwa digitale Kompetenzen vermitteln können. Darüber hinaus sollen je nach regionalen und branchenspezifischen Besonderheiten gezielte Lehr- und Lernkonzepte entstehen. Unternehmen, die nicht wissen, wie sie die Digitalisierung anpacken sollen, können sich dort ferner zu den Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels beraten lassen.

Drei Handlungsschwerpunkte, regional, überregional und speziell für Selbstständige hat das BMAS vorgesehen.
Drei Handlungsschwerpunkte, regional, überregional und speziell für Selbstständige hat das BMAS vorgesehen. (Quelle: BMAS)

Input für die so genannten „Regionalen Zukunftszentren“ kommt von einem übergeordnetem „Zentrum digitale Arbeit“, das sich mit der Entwicklung des digitalen Wandels beschäftigt und den Austausch fördern soll. Ergebnisse aus „Think Tanks“ werden an die regionalen Zentren weitergegeben. Das „Haus der Selbstständigen“ schließlich widmet sich vor allem so genannten Solo-Selbstständigen, unternehmerischen Einzelkämpfern und Klickworkern, die in Sachen Vergütung und Arbeitsbedingungen noch immer keine richtige Lobby haben.

Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie zusätzlichen Landesmitteln. Wer Unterstützung möchte, muss einen Antrag stellen, über den eine Bewilligungsbehörde entscheidet. Grundsätzlich dürfen sich alle Unternehmen bewerben, sofern sie über die erste Hürde, die Interessenbekundung, hinaus gekommmen sind, die noch bis zum 25. April 2019  unter www.zuwes.de eingereicht werden kann. Weitere detaillierte Infos über Anträge und Zuwendungsempfänger gibt es in der Förderrichtlinie (PDF).

Kompetenzzentren hat auch das Wirtschaftsministerium

Die Zukunftszentren sollten mit weiteren Initiativen verzahnt werden, wünscht sich die IG Metall.

Bei den Arbeitnehmern werden die Zukunftszentren grundsätzlich positiv aufgenommen. Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, wies auf einer Veranstaltung aber darauf hin, dass diese Initiative mit bestehenden und neu zu aktivierenden Initiativen regionaler Strukturpolitik verzahnt werden müsste.

Tatsächlich sind Zunkunftszentren nicht die einzigen Anlaufstellen für kleine und mittelständische Unternehmen in Sachen Digitalisierung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterhält insgesamt 25 Kompetenzzentren in ganz Deutschland, die mit Demonstrationszentren, Netzwerken zum Erfahrungsaustausch, Veranstaltungen und praktischen Beispielen Unternehmen bei der Transformation helfen. Die Angebote sind kostenlos und richten sich branchen- und betriebsgrößenunabhängig an alle Betriebe, „ob in Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen, Handel oder Handwerk“, wie es heißt.

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„Digitalisierung bedeutet an einem Punkt auch, eine Investition zu tätigen.“

Die Anlaufstellen des Wirtschaftsministeriums sind zum einen dazu da, Mittelständlern eine erste Orientierung zu geben, was alles in ihrer Branche möglich ist. „Kleine und mittlere Unternehmen haben oft das Problem, dass sie überschaubare Ressourcen, sowohl personell als auch finanziell haben. Aber Digitalisierung bedeutet an einem Punkt auch, eine Investition zu tätigen“, sagt Alexandra Horn, Konsortialleiterin Mittelstand-4.0-Kompententzentrum Berlin (Video). Um so wichtiger sei es, ihnen zu zeigen, wo Potenzial bestehe und wo es sich lohne „einmal reinzuschauen“. Darüber hinaus gehen Experten der Zentren bei den Umsetzungsprojekten in die Unternehmen und identifizieren, wo sich meist erste, kleine Digitalisierungsprojekte lohnen.

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