Wie kleine Unternehmen bei Fachkräften digital punkten können

Kleine und mittelständische Betriebe stecken derzeit oft in einem Dilemma: Wofür das Geld ausgeben, Personalsuche und Mitarbeiterbindung oder digitale Transformation? Beides lässt sich verbinden – mit den richtigen Anreizen für Fachleute auf der Basis digitaler Technologien.

Fakt ist: Ohne digitale Transformation hat kaum ein Unternehmen eine Überlebenschance. Das gilt nicht nur für Prozesse, um Kunden zufriedenzustellen oder aus Kostengründen Arbeitsabläufe zu straffen, sondern auch für das Anwerben und Halten von Mitarbeitern und Fachkräften. Denn die ziehen weiter, wenn die Firmen-IT rückständig ist oder sie digitale Annehmlichkeiten wie flexible Arbeit, Cloud-basierte Anwendungen oder Weiterbildungsmöglichkeiten nicht angeboten werden.

Chatten fürs Geschäft: Digitale Transformation und attraktive Arbeitsbedingungen sind kombinierbar.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben es aktuell nicht leicht: Sie sollen in neue Technologien investieren und müssen gleichzeitig finanzielle Ausfälle kompensieren, die durch die Fluktuation der Belegschaft aufgrund mangelnden technologischen Fortschritts entsteht. Das Work Institute hat vorgerechnet, dass Unternehmen etwa 33 Prozent des durchschnittlichen Jahresgehaltes einer Arbeitskraft für das Anwerben und Einlernen eines personellen Ersatzes ausgeben. Das tut weh und Betriebe fragen zu Recht, wie es gelingen soll, dass Kollegen kommen beziehungsweise bleiben und man zudem Budget für neue Technologien übrig hat.

Tolle Firmenkultur und soziale Verantwortung sind attraktiv, reichen aber nicht

Wir haben bereits über Optionen berichtet, wie Unternehmen Fachkräfte ohne Mega-Budget locken können. Der dominierende Anreiz sind Aus- und Weiterbildungsoptionen. Davon hängt derzeit viel ab, ob talentierte Beschäftigte bleiben oder gehen. Bei der eigenen Digitalisierung hilft das nur bedingt weiter, wenngleich das Lernangebot etwa ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum digitalen Betrieb sein kann, denn es bedeutet für gewöhnlich: Es gibt eine Digitalstrategie, die definiert, in welchen Bereichen weitergebildet werden soll. Auch das Argument „attraktiver Arbeitgeber“ (soziale Verantwortung!) ist wichtig, nutzt aber bei der Modernisierung von Arbeitsprozessen nichts.

Dieser Spagat kann nur gelingen, wenn Firmen die richtigen Anreize für Mitarbeiter und Bewerber setzen und das so durchdacht tun, dass dabei auch Business-Prozesse digitalisiert, die Produktivität verbessert und die gesamte Arbeitsumgebung und Kultur modernisiert wird. Wir haben drei Tipps zusammengestellt, wie kleine Unternehmen gute Leute locken und binden können, ohne auf die Digitalisierung verzichten zu müssen:

1Digitale Gewohnheiten der Mitarbeiter positiv sehen und nutzen
„Viele IT-Abteilungen wären erfolgreicher, wenn sie mehr auf die Wünsche der Angestellten eingehen würden“ hat mal ein Gartner-Analyst formuliert und trifft damit den Kern der Sache. Vor allem junge Menschen sind es heutzutage gewohnt, sich digital auszutauschen, Dinge zu teilen oder per Video zu kommunizieren. Sie sind nicht bereit, diese Art des Networking am Werkstor abzugeben.

Alles möglichst intuitiv gestalten – andere soziale Netzwerke erfordern ja auch nicht das Durcharbeiten eines Handbuchs.

Betriebe sollten diesen Impuls unterstützen und etwa Collaboration-Tools anbieten, die genau das ermöglichen: Meetings mit Videokonferenz oder das Teilen und Bearbeiten von Daten und Dokumenten. Auch die Einführung eines Social Intranet lohnt sich, damit das Kollegium eine zentrale, digitale Anlaufstelle für alle Belange des Unternehmens hat, vom digitalen Urlaubsantrag über den virtuellen Teammeeting-Raum bis zum Chat-Portal. Das sollte alles möglichst intuitiv und selbsterklärend sein, schließlich erfordern andere soziale Netzwerke ja auch nicht das Durcharbeiten eines epischen Handbuchs.

Der Vorteil: Team-Tools beschleunigen Arbeitsprozesse und verkürzen die Wege zwischen den Mitgliedern, Projekte werden schneller fertig und Wissen, das in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr nur von einem einzelnen gehortet, sondern geteilt wird, steht der Belegschaft als Ganzes zur Verfügung.

2Mobile Lösungen haben Vorteile für Betrieb und Mitarbeiter
Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und -orte sind eine logische Konsequenz digitaler Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Wenn Mitarbeiter, ausgestattet mit Mobiltelefon, Laptop und/oder Tablet, freier sind in der Gestaltung ihres Arbeitstages, verursacht das weniger Stress und erhöht das Engagement, sich für Aufgaben und Projekte ins Zeug zu legen. Leidenschaftliche und engagierte Mitarbeiter sind nicht erst seit der Digitalisierung diejenigen, die den Laden am Laufen halten. Im Privaten ist es selbstverständlich, von überall aus sich mitzuteilen und Kontakte zu pflegen. Warum soll das mit Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden anders sein?

Mobile Lösungen auf der Mitarbeiterseite ziehen entweder mobil-optimierte Konzepte auf Kundenseite nach sich, oder letztere machen den Anfang und legen so den Grundstein für eine moderne, wettbewerbsfähige Arbeitsweise, die wiederum Talente bindet.

3Automatisieren ist attraktiv
Zwar rüttelt niemand an der Tatsache, dass es Jobs gibt, die durch die Automation verloren gehen. Andere allerdings werden vom lästigen, sich immer wiederholenden Teil befreit, der Mitarbeiter oft viel Zeit raubt – vorausgesetzt Betriebe nehmen den digitalen Wandel ernst. Der Zeitfaktor ist auf zweierlei Weise negativ: Einerseits können Beschäftigte sich nicht auf den kreativen Teil ihres Jobs konzentrieren und ihn weiterentwickeln. Auf der anderen Seite gehen dadurch Ideen und Konzepte verloren, die zu neuen Geschäftsmodellen werden oder zumindest den Arbeitsbereich verbessern könnten.

Der digitale Arbeitsplatz ist nicht nur wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs. Unternehmen machen sich damit auch bei Talenten beliebt.
Neugestaltung von digitalen Arbeitsplätzen: Nicht nur wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs. Unternehmen machen sich damit auch bei Talenten beliebt.

Betriebe dürfen nicht unterschätzen, welchen Reiz Mitgestaltungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer haben. Fachkraft wird man nicht von heute auf morgen. Dahinter steckt viel Arbeit und Know-how, das niemand in einem repetitiven Job vergeuden will. Darüber hinaus gehen Personalabteilungen einen ganz neuen Weg und suchen gezielt Bewerber, die motiviert sind, die Zukunft eines Betriebes mitzugestalten. Wer hier nur klassische Abarbeite-Jobs auf Lager hat, wird den Kürzeren ziehen.

Andererseits können innovative Geschäftsmodelle über den künftigen Erfolg einer Firma entscheiden. Die besten Ideen kommen in der Regel nicht von einem externen Beraterteam (das sich ohnehin die wenigsten Betriebe leisten können), sondern von den Menschen, die täglich mit der Materie zu tun haben.

Tags

Das könnte Sie auch interessieren

Was meinen Sie dazu?

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close