Mobile Arbeit: Deutschland leistet sich eine vertane Chance für bessere Produktivität

Mobiles Arbeiten bietet mit Firmen-Laptop, ohne Pendlerstau und Umzug, besserer Vereinbarkeit von Arbeit und Privatem beste Voraussetzungen für gute Arbeit. In der Praxis aber verbieten viele Chefs mehr Flexibilität oder Arbeitende nutzen sie nicht.

Diese Zahlen muss man erst einmal verdauen: In Deutschland arbeiten 16 Prozent der Frauen und Männer teilweise zu Hause oder von unterwegs. Von den 84 Prozent, die nicht mobil arbeiten, gibt mehr als die Hälfte an, aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit das nicht zu können; 25 Prozent sagen, es sei im Unternehmen nicht möglich und 26 Prozent wollen es nicht – Tendenz gegenüber dem Vorjahr steigend (siehe Grafik).

Die Zahl derer, die kein Interesse an mobiler Arbeit haben, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen
Die Zahl derer, die kein Interesse an mobiler Arbeit haben, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

In immer neuen Umfragen werden die Vorteile von mobilem Arbeiten hervorgehoben: Mehr Flexibilität, weniger Frust, höhere Produktivität, wenn man es mal so plakativ beschreibt. Für Beschäftigte und Unternehmensleitungen müsste sich das doch nach guten Zeiten anhören: Wer seine Zeit individuell einteilen und dort arbeiten kann, wo er oder sie möchte, dem macht Arbeit mehr Spaß und die Ergebnisse kommen schneller und besser daher.

Die Technologie ist ja da, sie wird immer bezahlbarer und intuitiver, also leicht zu bedienen. Zwar kann nicht jede Arbeit abseits des Arbeitsplatzes erledigt werden. Doch die Zahl der Wissensarbeitenden, die mit Rechner, Smartphone und Cloud-Speicher arbeiten können nimmt zu. Und ja, die Voraussetzungen müssen gegeben sein, ausreichend schnelles Internet zum Beispiel oder die eigene Bereitschaft und Disziplin zu fokussiertem Arbeiten trotz Kühlschrank und Couch.

Unternehmen blockieren

Ein Großteil der Berufstätigen arbeitet dennoch stationär, wie der D21-Digital-Index, einer Studie der Initiative D21, zeigt. Diejenigen, die gerne wollen würden, scheitern oft am Veto des Arbeitgebers beziehungsweise an der Ausstattung wie Firmen-Laptop oder -Handy.  Besonders bitter: Wer zwar im Besitz solcher Geräte ist, ist in den meisten Fällen von den Kollegen oder von wichtigen Dokumenten abgeschnitten, denn: einen VPN-Zugang (Virtual Private Network für den sicheren Zugriff auf das Firmennetz) erhalten nur 15 Prozent der Mitarbeiter. Collaboration-Tools und andere Plattformen für die digitale Zusammenarbeit noch weniger. 35 Prozent bekommen nichts dergleichen gestellt, immerhin sank dieser Wert um sechs Prozentpunkte.

Die Beschäftigten stehen mit ihrem Wunsch nach mobiler Ausstattung ziemlich alleine da.
Die Beschäftigten stehen mit ihrem Wunsch nach mobiler Ausstattung ziemlich alleine da.

Wann und nach welchen Kriterien die Erlaubnis für mobile Arbeit erteilt wird, kann kaum jemand nachvollziehen. Bei einem Drittel der befragten Berufstätigen gibt es kein erkennbares System. Vier von zehn Arbeitenden gaben an, in ihrem Unternehmen hänge es von der Art der Tätigkeit ab, etwas weniger machen die Erlaubnis an der Position im Unternehmen fest. Völlig unbedeutend scheint ein Argument, das vor allem Frauen, aber auch immer öfter Männer geltend machen, um daheim arbeiten zu können: Kinderbetreuung. Bei nur 4 Prozent der Befragten gehen solche sozialen Gründe einer Erlaubnis voraus. Flexibilität und Vereinbarkeit von Beruf und Privatem? Fehlanzeige. Motivation, weniger Stress und effizienter Output sowieso.

Beschäftigte sehen im Homeoffice keinen Mehrwert

Nicht nur die Unternehmen blocken. Woran liegt es aber, dass ein Viertel der Befragten kein Interesse an mobiler Arbeit hat? Verpackt man die ortsungebundene Arbeit in einen größeren Kontext, die Digitalisierung, kommt man einer Erklärung näher. 41 Prozent empfinden bei der Digitalisierung dauerhaften Lern- und Anpassungsdruck, dem sie lieber aus dem Weg gehen. Wer von unterwegs arbeitet, muss aber mit digitalen Tools, Geräten und einer besonderen Arbeitsweise zurechtkommen. Darauf fühlen sich viele nicht gut vorbereitet. Über die Hälfte eignet sich neues Wissen im Bereich Computer, Internet und digitale Themen durch Ausprobieren selbst an.

Zugleich sehen 49 Prozent in der Möglichkeit, räumlich flexibel zu arbeiten, eine steigende Lebensqualität und Qualität der Arbeit (Produktivität!). Die mobile Arbeitsweise wäre prädestiniert für diejenigen, die pendeln müssen und im Grünen wohnen bleiben wollen. Das Thema Landflucht und noch mehr Menschen in den Ballungsgebieten taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf – zu Recht. Und doch ist der Anteil der mobil Arbeitenden in den Städten doppelt so hoch wie auf dem Land.

„Hilf Dir selbst“ lautet das Motto derer, die sich weiterbilden möchten. Leider.

Alles steht und fällt mit digitalem Know-how

Vor allem in ländlichen Raum, aber auch in den Städten könnten Unternehmen digitale Arbeitsweisen, Flexibilität und Mobilität im Arbeitsalltag mehr fördern. Auch aus eigenem Interesse, um produktivere Beschäftigte zu haben, die nicht im Stau festhängen oder so gestresst sind, dass ihnen die Arbeit schwer fällt. Die Bundesregierung hat mit dem Recht auf Homeoffice einen Impuls geliefert. Jetzt sind vor allem die Firmen dran, digitales Wissen zu vermitteln, durch Schulungen beispielsweise. Die meisten verfahren noch nach dem Motto „Hilf Dir selbst“, doch dieses Potenzial könnte noch viel besser gesteuert werden.

Und die 19 Prozent, die sich überhaupt nicht fortbilden? Denen ist in Sachen Produktivität, Lebens- und Arbeitsqualität sowie Zukunftsaussichten im Job wohl nicht mehr zu helfen.

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Ein Kommentar

  1. Es wird ein passendes Beispiel geboten, was eigentlich vertane Chancen bedeuten! Sehr aufschlussreich und demonstrativ. Egal welche Art von vertane Chancen, sind vertane Chancen Potentiale, die seitens der Unternehmen nicht so einfach vernachlässigt werden sollen. Im immer intensiv werdender Wettbewerb kann am Ende eine konvertierte Chance den entscheidenen Wettbewerbs-Vorteil verschaffen.

    Oftmals bieten Chancen, sollten sie wahrgenommen werden, sehr positive und erfolgsversprechende Resultate. Wie im Beitrag beschrieben kann dadurch die Produktivität gesteigert werden. Und eine gesteigerte Produktivität kann auch zu einer Gewinnsteigerung führen. Da einfach aus dem gleichen Input mehr Output generiert wird. Eine ganz einfache betriebswirtschaftliche Rechnung. Wichtig ist eben, dass man diese vertane Chancen erkennt, sie als Potentiale erkennt. Beispielsweise (und das war mir gar nicht so bewusst) lassen sich erhebliche Einsparungen im Einkauf tätigen. Man muss nur wissen wie. Und wenn ich an dieser Schraube drehen kann, hat das logischerweise Einfluss auf den Gewinn am Ende. Weniger Kosten führen zu mehr Gewinn. Und Unternehmen wie efficioconsulting.de haben sich auf solche Potentiale spezialisiert und beraten andere Unternehmen, um dahingehend sich zu verbessern. Wichtig ist eben, dass man aktiv wird und es auch tut!

    Vielen Dank für den informativen Beitrag. MFG.
    Mussmann

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