Kulturelle Unterschiede respektieren – das Erfolgsgeheimnis internationaler Teams

Digitale Kommunikationswege und Collaboration Tools überbrücken räumliche, schaffen aber zwischenmenschliche Distanzen. Diese stehen dem gegenseitigen Verständnis und letztlich auch der Zusammenarbeit im Weg, besonders bei Teams mit Menschen unterschiedlicher Kulturen. 

Die Herausforderungen und Chancen zu verstehen, die sich aus dem Aufbau von Teams aus verschiedenen Kulturen ergeben, ist eine Aufgabe, die jede Führungskraft mit globalen Ambitionen angehen sollte. Während einige Führungskräfte allgemeine Unternehmenswerte und Verhaltensweisen gegenüber lokalen Traditionen oder Geschäftsnormen bevorzugen, sorgt die Einbettung der jeweiligen Landeskultur in ein Unternehmen für eine bessere Verbindung zu Mitarbeitern und Kunden gleichermaßen. Dies kann sich auf eine ganze Reihe von Erfolgsfaktoren auswirken, vom Umsatz und der Markentreue bis hin zur Mitarbeiterbindung und deren Wohlbefinden.

Erst das Beseitigen unbewusster Vorurteile ermöglicht eine produktive Arbeitsgemeinschaft.

Die Pflege der lokalen Kultur in internationalen Teams beginnt mit einer wichtigen Frage: Was genau ist Kultur in Bezug auf internationale Unternehmen? Im Wesentlichen geht es dabei um die gemeinsamen Praktiken, Überzeugungen und Erwartungen in Bezug auf das Verhalten und die Geschäftsabläufe der Mitarbeiter.

Insbesondere die gemeinsamen Erwartungen sind ein wesentlicher Bestandteil, wenn die Mitarbeiter kulturelle Unterschiede annehmen, unterstützen und im Arbeitsalltag für sich nutzen sollen. Ihre Bedeutung wird selten deutlicher, als wenn zwei Menschen zusammenkommen, die nicht die gleichen Erwartungen haben, auf welche Weise etwas getan werden soll. Dies kann zu Reibungen und Unterbrechungen führen, die die Fähigkeit von Teams zur Zusammenarbeit und zum Erreichen gemeinsamer Ziele beeinträchtigen.

Vorteile für Arbeitskultur und Geschäftserfolg

Für Unternehmen jeder Größe ist es fast immer von Vorteil, internationale Management-Teams darin zu schulen, wie sie die einzigartigen kulturellen Unterschiede ihres Teams, ihrer Partner und ihrer Kunden wirklich verstehen können. Diejenigen, die sich für gegenseitiges Verständnis einsetzen, sehen oft eine positive Auswirkung auf die Einheit und das Engagement, beseitigen unbewusste Vorurteile und ermöglichen es Mitarbeitern verschiedener Nationalitäten, sinnvolle, langfristige Arbeitsgemeinschaften und Freundschaften zu bilden.

Das Versäumnis eines Unternehmens, internationale Kulturen zu verstehen, kann zudem sehr teuer werden, wie die Erfahrungen von Walmart in Deutschland zeigen. Das Scheitern des Einzelhandelsriesen im deutschen Markt kann zumindest teilweise auf die Unfähigkeit zurückgeführt werden, die lokale Kultur zu verstehen, was schließlich zum Rückzug aus dem Land und einem Verlust von 1 Milliarde Dollar führte. 

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So wurden beispielsweise die deutschen Walmart-Angestellten dazu angehalten, nach amerikanischem Vorbild besonders offen mit den Kunden umzugehen, viel zu lächeln und Smalltalk zu führen, was von deutschen Kunden als seltsam und nicht authentisch empfunden wurde. Deutsche Walmart-Angestellte sollten zudem zu jedem Arbeitsbeginn ihren Tag mit leichten Fitnessübungen und dem Motivationsruf „Walmart! Walmart! Walmart!“ starten, was jedoch nicht als motivierend, sondern eher als peinlich empfunden wurde. Auf der anderen Seite herrschten strikte Vorgaben wie etwa das Verbot von romantischen Beziehungen am Arbeitsplatz oder die Pflicht, jeden Kollegen dem Unternehmen anzuzeigen, der gegen eine Regel verstoßen hatte.

Kulturelle Eigenheiten lassen sich nicht einfach auf andere Kulturen überstülpen.

Kulturelle Fehltritte vermeiden

Einige der kulturellen Fehler, die internationale Marken begehen, können langfristig weniger schwerwiegend sein als das Beispiel von Walmart, sind aber dennoch ein Warnsignal für andere. Pepsi beispielsweise entschied sich in China für eine wörtliche Übersetzung des Slogans „Come alive with the Pepsi generation“, um dann festzustellen, dass dieser Slogan im Land als „Pepsi bringt Ihre Vorfahren zurück von den Toten“ gelesen wird.

Die Liste der kulturellen Fehltritte ist lang. Einer der berüchtigtsten wird dem Babynahrungshersteller Gerber zugeschrieben, der in einer afrikanischen Region das Bild eines Babys auf seinem Etikett verwendete. Das erwies sich jedoch als missverständlich und peinlich, da dort Bilder auf den Verpackungen weit verbreitet sind, um den Inhalt des Produkts anzuzeigen.

Was auch immer der Grund für kulturelles Versagen sein mag, die Auswirkungen können für Einzelpersonen und Organisationen gleichermaßen gravierend sein. In einer Zeit, in der die Globalisierung zu einer tragenden Säule des erfolgreichen Handels geworden ist, zeigt jedes dieser Beispiele, dass die Pflege kultureller Vielfalt der Schlüssel zu langfristigem Wachstum und Erfolg ist.

Digitale Entmenschlichung?

Es ist nicht überraschend, dass sich die Covid-19-Pandemie auch auf die kulturelle Integration ausgewirkt hat. Nicht nur sind Millionen von Menschen damit vertrauter geworden, über digitale Kanäle aus der Entfernung miteinander zu arbeiten und zu kommunizieren. Viele Organisationen konnten sich auch erfolgreich von geografischen Silos befreien und ermöglichten ihren Mitarbeitern den Kontakt mit Kollegen, egal wo diese sich auf der Welt befinden.

Umgekehrt kann die erzwungene Isolation der Remote-Arbeit dazu führen, dass der Aufbau einer sinnvollen Verbindung zu Kollegen schwieriger wird. Wie kann man etwa erwarten, dass die Mitarbeiter wichtige kulturelle Unterschiede wahrnehmen, wenn sie von zu Hause aus auf virtuellen Plattformen wie Slack und Zoom arbeiten?

Kulturelle Integration sichert die Firmentreue der Belegschaft.

Für Arbeitgeber und ihre Teams ist es wichtig, sich die Menschlichkeit in der Kommunikation zu bewahren, die vor der Pandemie ein Standardmerkmal des persönlichen Kontakts war. Das Format traditioneller Meetings wird oft durch ein paar Minuten zu Beginn oder am Ende des Gesprächs ergänzt, um über persönliche Themen wie Familie oder Sport zu sprechen. Dies ist aus der Ferne schwieriger zu bewerkstelligen, aber diese Momente persönlichen Kontakts sind deswegen nicht weniger wichtig. Unternehmen sollten deshalb weiterhin informelle Gespräche und Small Talk zu ermöglichen.

Digitale Hilfsmittel haben sich als unschätzbar wertvoll erwiesen, damit sich Organisationen an pandemiebedingte Einschränkungen besser anpassen können. Aber sie dürfen nicht dazu führen, dass die Kultur am Arbeitsplatz entmenschlicht wird – insbesondere über internationale Grenzen hinweg. Jedes Unternehmen, das seine Mitarbeiter langfristig halten möchte, muss sich mehr denn je um die kulturelle Integration in allen Gebieten bemühen, in denen es tätig ist. Nur Unternehmen, die dafür die notwendige Zeit und Ressourcen investieren, werden von den Vorteilen profitieren, die sich für alle Beteiligten ergeben.


Über den Autor

Martin Tillert ist Partner Director für den deutschsprachigen Raum beim US-Technologieunternehmen Globalization Partners, das mitunter eine automatisierte Global-Employment-Plattform anbietet.

 

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