Innovationslabore: Quer denken für die Zukunft der Arbeitswelt

Wo lassen sich Ideen für die digitale Transformation am besten entwickeln? Statt nur ausgelatschte Strukturen umzumodeln, bekommt in „Corporate Innovation Labs“ jede noch so abgefahrene Idee die Chance, sich als tragfähiges Modell für die Digitalisierung zu beweisen. 

Ob sie nun Innovation Labs, Ideenlabore oder Maker Spaces heißen – immer verfolgen sie das Ziel, Unternehmen in einem vom operativen Geschäft abgetrennten Raum neue Ideen und neue Wege für den eigenen Innovationsprozess in allen Geschäftsbereichen ausprobieren zu lassen. Vor allem die digitale Transformation erfordert neue Denkansätze in der Arbeitswelt, die mit dem bisher geltenden Verständnis vom Alltag in Unternehmen nur noch wenig gemein haben. Die auch Think Tanks genannten Experimentierräume sind eine gute Möglichkeit, für den Wandel selbst die auf den ersten Blick abwegigsten Konzepte durchzuspielen, sie im Unternehmens-Setting zu testen und schnell einsatzbereit zu machen (zumindest als Prototyp).

So könnte ein Corporate Innovation Lab aussehen.
So könnte ein Corporate Innovation Lab aussehen. (Quelle: Studie Corporate Innovation Labs)

Eine neue Studie des Fraunhofer IAO definiert die Experimentierbereiche so: „Corporate Innovation Labs sind von Unternehmen genutzte Räume der Freiheit, die als Experimentierfelder für neue Team- und Führungsstrukturen, neue Arbeitsweisen beziehungsweise neue Methoden Innovationen analysieren und/oder initiieren sollen.“ Viele Unternehmen hätten erkannt, dass es neue Lösungen für die Herausforderungen der Digitalisierung brauche. Doch noch fehle vielerorts der Raum für digitale Querdenker, sich in den Laboren auszutoben, so die Studienautoren.

Grenzenlos denken für Innovation und Kulturwandel

Das mag auch daran liegen, dass man die Ausgestaltung der Corporate Innovation Labs schlecht fassen kann. Deshalb ist auch die Fraunhofer-Definition recht abstrakt. Wie die Kreativräume auszusehen haben, mit welchen Teilnehmern sie besetzt sind und wohin das alles führen soll ist derart vielseitig, dass die Studienautoren viele Interviewpartner in Beispielen selbst zu Wort kommen lassen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Unternehmen ihre Motivation für Corporate Innovation Labs aus der Innovationsfähigkeit sowie dem unternehmerischen Kulturwandel ziehen.

Die Teilnehmer gehen dabei nicht „nur“ die Digitalisierung an sich an. Aus den Antworten schält sich aber heraus, dass die durch die digitale Transformation arg beeinflusste Arbeitswelt in vielen Bereichen eine Rolle spielt. So geht es in den Labors um neue Geschäftsideen (die nicht selten aus der Möglichkeit erwachsen, digitale Technologien zu nutzen) sowie um einen schnelleren Innovationsprozess. Oder man nimmt sich den Wandel der Unternehmenskultur vor, ebenfalls häufig angetrieben von der Digitalisierung und den Konzepten zu agilen und weltweit vernetzten TeamsHomeoffice oder Collaboration-Tools.

„Wir wollten herausfinden, welche Unternehmenskultur wir überhaupt haben“.

Wie solche Werkstätten aussehen, bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen. Das können dediziert zugewiesene Büros im Firmengebäude sein, mit Whiteboard oder Flipchart, je nachdem wie das Team es gerne möchte. Andere Unternehmen lagern die Think Tanks bewusst aus, um entweder auch eine räumliche Trennung vom operativen Geschäft zu haben oder sich anderen Unternehmensgruppen anzuschließen (oder beides).

Genauso frei sollen auch die Inhalte sein. In den Innovation Labs der Deutschen Bank in Berlin beispielsweise widmet man sich einem breiten Spektrum. „Unser Mandat ist es, sehr systematisch neue Technologien zu identifizieren und zu bewerten, die wir für uns als Bank nutzbar machen können. Das kann an der Schnittstelle zu Kunden sein, um ihnen neue Produkte und einen besseren Service zu bieten, aber auch intern für unseren eigenen Betrieb, um einfacher und effizienter zu werden.“

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Letzteres betreffe auch Fragen rund um den Kulturwandel, so die Aussage der Deutschen Bank. „In der digitalen Welt erfolgreich zu sein bedeutet auch, neue Arbeitsweisen und Konzepte zu erproben und einzuführen. Hier fungieren die Labore mit ihrer relativ hierarchiefreien und agilen Arbeitsweise als eine Art Katalysator.“ So sehen es laut der Studie eine Reihe von Interviewten. „Wir haben mit verschiedenen Mitarbeitern aus unterschiedlichen Hierarchien mit Hilfe eines so genannten Kulturprofil-Indikator-Tests begonnen, unsere Kultur besprechbar zu machen“, lautet etwa eine weitere Aussage. Ziel sei gewesen, „herauszufinden, welche Unternehmenskultur wir überhaupt haben“.

Innovation Labs erlauben einen gezielten Blick über den Tellerrand

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Trotz so viel kreativen Freiraums reicht es dennoch nicht, einfach eine Gruppe Williger „einzusperren“ und auf innovative Ergebnisse zu warten. Für die Umsetzung müssen Faktoren wie Organisation, Team, Führung, Methoden sowie die räumliche Realisierung bedacht werden, heißt es in der Studie. Im Vorfeld sollten konkrete Ziele definiert werden. Die meisten Labs arbeiten projektorientiert, dabei aber mit dem Weitwinkel-Objektiv: „Den Blick über den Tellerrand wagen“, „Unterschiedlichste Geschäftsideen zur Entscheidungsreife bringen“, „Den Innovationsprozess beschleunigen“, lauteten einige Zielsetzungen der Interviewpartner.

Die Studienautoren vergleichen Corporate Innovation Labs mit Coworking-Spaces, die sie mit Attributen wie freundlich, kreativ, produktiv, kollaborativ, inspirierend sozial und flexibel sowie durch die Community und den Spaß an der Sache versehen. „Für Innovation Labs halten wir es für essenziell und damit den wichtigsten Erfolgsfaktor, eine zumindest vergleichbar kreative, begeisternde Atmosphäre zu schaffen und zu erhalten“.

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