Unternehmen wollen E-Learning – und mehr Praxisbeispiele für die Umsetzung

Neue Lernformate wie E-Learning können Beschäftigte auf die digitale Transformation vorbereiten und sie aus- oder weiterbilden. Moderne Lernangebote müssen aber auch richtig gewählt werden. Das stellt Unternehmen wie Belegschaften vor enorme Herausforderungen.

Von der Auswahl benötigter digitaler Kompetenzen über eine Aus- und Weiterbildungsstrategie bis hin zum konkreten Lernangebot – Unternehmen müssen bei der Planung und Umsetzung interner Fortbildungskonzepte viele Punkte im Auge haben. Hinzu kommt: Mit der Digitalisierung bieten sich neue Lernformate wie Webinare, Onlinekurse oder Online-Selbstlernprogramme an. Sogar selbst produzierte Lernvideos oder zumindest Betriebsanleitungen als PDF kommen zum Zug. Die neuen Formate erweitern die Auswahl des passenden Gesamtkonzepts zwar deutlich, machen sie aber dadurch nicht einfacher.

E-Learning-Inhalte können in einem kleinen Arbeitsumfeld individuell, räumlich flexibel und nach Bedarf angepasst werden. Das sollten KMUs nutzen.

Trotzdem sind sie da, und acht von zehn Unternehmen haben 2017 digitale Lernmedien genutzt, so eine neue Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Oftmals geschieht dies jedoch ohne klaren Plan. Denn nur knapp die Hälfte der Unternehmen fühlt sich sicher darin, digitale Lernmedien didaktisch sinnvoll einzusetzen (48 Prozent). Mehr als zwei Drittel gaben an, dass ihnen Erfahrungswerte sowie Praxisbeispiele für den Einsatz digitaler Lernmedien in Unternehmen fehlen. Jedem sechsten Betrieb mangelt es an einem Überblick über den E-Learning-Markt oder sie finden kein passendes Angebot. Und knapp 56 Prozent sagen, für ihren kleinen Betrieb lohne es sich nicht, eigene digitale Lernmaterialien herzustellen.

E-Learning bei KMUs: Die Wendigkeit kleiner Betriebe nutzen

Dabei sind sich gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) der Chance von E-Learning-Angeboten durchaus bewusst. Laut der Studie sind ihnen digitale Lernmedien in der Aus- und Weiterbildung mindestens genauso wichtig wie klassische Lernformate (Workshops oder die Lektüre von Fachliteratur). Das KOFA hat dafür eine Erklärung: Vor allem kleine Betriebe könnten ihre Wendigkeit nutzen, um benötigte digitale Kompetenzen zu vermitteln. Innovationen im Bildungsbereich brauchen in größeren Unternehmen gegebenenfalls mehr Zeit, da etablierte Systeme angepasst werden müssen.

Auch sei die mögliche Flexibilität ein Vorteil, da Lerninhalte in einem kleineren Arbeitsumfeld individueller, räumlich flexibel und auf den Bedarf angepasst werden könnten. Reisekosten und Arbeitsausfälle ließen sich so einsparen oder kurzfristig neue Inhalte schnell zur Verfügung stellen. Interessant: Der Mittelstand und Großunternehmen legen aktuell noch größeren Wert auf klassische Medien (63 bzw. 60 Prozent). Das KOFA vermutet dahinter, dass große Unternehmen mehr Ressourcen haben, um etwa Inhouse Präsenzveranstaltungen selbst anzubieten.

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Doch die Wahrheit ist auch: Vor allem KMUs widmen dem digitalen Wandel mancherorts zu wenig Aufmerksamkeit, was sich wiederum auf das Gesamtkonzept auswirkt. Die KOFA-Studie bestätigt dies. Im Vergleich zu großen Unternehmen schätzen KMUs den Bedeutungszuwachs sowohl bei spezifischen IT-Fachkenntnissen als auch bei den so genannten Soft Skills nicht so hoch ein, was so viel heißt wie: Digitale Kompetenzen sind nicht so wichtig. Dass das eine existenzielle Fehleinschätzung ist, haben Studien wie der Digital Office Index 2018 des Digitalverbandes Bitkom ausreichend belegt.

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Digitale Fitness nicht den Beschäftigten überlassen

Wenn umgekehrt die Digitalisierung in die Firmen-DNA kriecht, sind Unternehmen oft überfordert, woher sie jetzt digitale Kompetenzen bekommen sollen. Viele Firmen hoffen auf einen Impuls aus der Belegschaft (85 Prozent). Zwar ist die Einbeziehung individueller Bedürfnisse und Talente ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Digitalstrategien, doch die Beschäftigten alleine können und sollten das nicht überblicken müssen. Und schon gar nicht kann erwartet werden, dass sie mit der passenden Weiterbildungsstrategie, die dann auch noch digitale Lernmedien umfasst, aufwarten. Die Zahlen sind zudem insofern widersprüchlich, als dass 41 Prozent der Unternehmen bemängeln, ihre Mitarbeitenden verfügten nicht über die nötige technische bzw. Medienkompetenz, um das e-Learning-Angebot effektiv nutzen zu können, selbst wenn es vorhanden ist.

Bei der betrieblichen Praxis für die digitale Bildung müssen demnach eine Reihe von Hemmnissen aus dem Weg geräumt werden, wozu auch die Unkenntnis und Unsicherheit hinsichtlich digitaler Lernmedien gehört. Es reicht eben nicht, die Formate als wichtig zu bezeichnen, man muss sie auch passend einsetzen. Laut der KOFA-Studie haben 67 Prozent der Unternehmen erkannt, dass interaktive Lernformate bei der Umsetzung der Digitalstrategie hilfreich sein können.

Deutlich mehr als die Hälfte der Firmen sagen, dass interaktive Lernformate bei der Umsetzung der Digitalstrategie hilfreich sein können.

Dafür aber müssen sie etwas tun. Der Ruf nach mehr Praxisbeispielen ist sicherlich berechtigt. Schaut man sich die in der Studie aufgeführten Hinderungsgründe an, fällt aber auch auf: Vieles hängt von der Bereitschaft ab, sich mit digitalen Medien zu beschäftigen. Angaben wie: „Unsere Mitarbeiter sind digitalen Medien gegenüber skeptisch“ oder „In unserem Unternehmen fehlt der Überblick über den E-Learning-Markt“ sind deutliche Anzeichen dafür, dass es insgesamt an einem Konzept mangelt, das Beschäftigte in den Digitalisierungsprozess einbindet und Freiräume für Weiterbilder und Personaler schafft. Das aber wäre der erste Schritt.

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