Der „Kollege KI“ – Helfer oder Jobvernichter?

Die gute Nachricht vorweg: Die Arbeit wird nicht ausgehen. Dennoch könnte rund die Hälfte aller existierenden Jobs in absehbarer Zeit durch Künstliche Intelligenz und Maschinen teilweise oder ganz abgelöst werden. In anderen Bereichen werden Roboter und Programme zu neuen Kollegen.. 

Sicherlich wird nicht jeder Arbeitsplatz durch Maschinen und Software in Bedrängnis geraten, doch verändern wird sich die Arbeit im nächsten Jahrzehnt allemal. Von technischen Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Digitalisierung sind in den nächsten Jahren immer mehr auch Jobs betroffen, die nicht aus wiederkehrenden Tätigkeiten bestehen.

Eine fundierte Prognose wagte nun der Physiker James Timbie, der bis 2016 mehr als zwei Jahrzehnte lang das US-Außenministerium beraten hatte. Er beschäftigt sich an der US-amerikanischen Hoover Institution mit neuen Technologien und Künstlicher Intelligenz. Wie viele seiner Kollegen auch geht auch er davon aus, dass Routinejobs künftig von Maschinen übernommen werden. 

Menschen würden dagegen verstärkt andere Rollen übernehmen. Vor allem würden das Tätigkeiten sein, in denen Menschen ihre besonderen Fähigkeiten einbringen können. Wenn es um das Erkennen größerer Zusammenhänge oder um soziale Fähigkeiten geht, hat der Mensch immer noch erhebliche Vorteile gegenüber den Maschinenhirnen. Die besten Ergebnisse aber würden Menschen erzielen, die von intelligenten Maschinen unterstützt werden, so Timbie.

Radikale Veränderungen innerhalb einer Generation

James Timbie: Auch Finanzanalysten, Versicherungsfachleute und Radiologen sind durch KI-Technologien bedroht.

Der Buchautor vertritt die These, das die Gesellschaft als Ganzes von den Entwicklungen und niedrigeren Kosten profitieren wird. So würden Roboter und Maschinen in der Lage sein, eine ganze Reihe von unterschiedlichsten Aufgaben zu erfüllen. Die Crux: Rund die Hälfte aller Erwerbstätigen sind heute in Branchen angestellt, die besonders stark von diesen Entwicklungen betroffen sind oder in denen Maschinen die Menschen völlig ablösen werden. Dazu gehören Berufe wie etwa LKW-Fernfahrer, der momentan den größten einzelnen Berufsstand in den USA darstellt.

Im Unterschied zur industriellen Revolution, die sich über mehrere Generationen hingezogen hatte, werde sich diese Entwicklung allerdings zeitlich gesehen eher innerhalb von einzelnen Karrieren vollziehen, so dass die Anpassung an die neuen Gegebenheiten sich nicht mehr über mehrere Generationen hinziehen werden. Als Konsequenz müssen sich die meisten Mitarbeiter selbst die neuen Technologien aneignen.

Künstliche Intelligenz ersetzt Sachbearbeiter

In anderen Bereichen sieht Timbie eine Koexistenz oder Erweiterung der menschlichen Arbeit durch Roboter. So könnten Erwerbstätige im Bereich Bildung oder in der Medizin künftig viele Aufgaben mit Einbeziehung einer Künstlichen Intelligenz ausführen. Auch Jobs, in denen eigentlich gut ausgebildete Kräfte arbeiten, sind durch KI-Technologien bedroht: Finanzanalysten, Versicherungsfachleute, Radiologen, Steuerfachangestellte, Lohnexperten. Sogar reine „Hirnarbeiter“ wie Software-Entwickler und Journalisten werden laut Timbie künftig mit Künstlicher Intelligenz konkurrieren oder mit ihr koexistieren müssen.

Im Bereich Diagnose etwa könnten Systeme, gefüttert mit Millionen von Röntgenaufnahmen oder anderen Daten, schnell zu gültigen Ergebnissen kommen. Der Arzt kann die Diagnose überprüfen, sie dem Patienten vermitteln und diesen bei der Therapie begleiten. So würde die Kombination von Mensch und Maschine die besten Ergebnisse liefern, ist der Wissenschaftler überzeugt.

Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen

Die neuen Technologien, so glaubt Timbie, werden schließlich zu deutlichem Wachstum führen. Allerdings würde dieses Wachstum nicht gleich verteilt werden. Die Folge ist laut Timbie eine steigende Ungleichheit. Der Blick auf Daten des US-Statistikamtes zeige, dass heute das durchschnittliche Einkommen in einem US-Haushalt auf dem Niveau von 1999 liegt. Das Bruttosozialprodukt aber sei im gleichen Zeitraum um knapp 40 Prozent gewachsen. Vor allem die obersten Einkommensschichten profitierten von der Automatisierung, die weitere Digitalisierung werde das Ungleichgewicht noch weiter verstärken.

Durch die Digitalisierung werden jedoch neue Branchen und neue Jobs entstehen, prophezeit Timbie. Auch diese Entwicklung könne bereits schon jetzt beobachtet werden. Mehr als 6 Millionen offene Stellen in den USA könnten heute nicht besetzt werden. Für diese neuen Tätigkeiten aber müssten sich die an anderen Stellen freigesetzten Arbeiter neu qualifizieren oder anderweitig verändern, etwa durch einen Umzug. Das verdeutliche einmal mehr die Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen.

Den Gedanken an ein bedingungsloses Grundeinkommen weist Timbie dagegen zurück. In einem Interview mit der Stanford University erklärt er: „Geld ist nicht der einzige Aspekt. Auch Selbstwertgefühl und die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft sind wichtig. Daher ist es besser, statt den Leuten Geld fürs Nichtstun zu geben, sie für neue Aufgaben zu trainieren.“

Titelfoto: Andy Kelly via Unsplash.com

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