Suchen Sie Software-Entwickler? Das sollten Sie als Arbeitgeber wissen

Die Zukunft vieler Unternehmen steht und fällt mit ihrer Fähigkeit, digitale Angebote umzusetzen.   Der Aufbau eines schlagkräftigen Software-Entwicklungsteams ist deshalb ein strategisches Ziel. Doch worauf legen Developer bei der Wahl ihres Arbeitgebers besonderen Wert? 

Software Developer gehören seit mindestens zwei Jahrzehnten zu einer der meistgesuchten Spezies im Arbeitsmarkt. Auf etwa 149.000 schätzte der Digitalverband Bitkom Ende letzten Jahres die Zahl der offenen IT-Stellen in Deutschland, 12.000 mehr als im letzten Jahr. Drei von vier der befragten Unternehmen erwarten in naher Zukunft eine weitere Verschärfung der Situation.

Ein gutes Gehalt ist nicht alles, worauf Entwickler Wert legen.

Die Lücken im Bereich der Software-Entwicklung führen häufig dazu, dass Digitalisierungsprojekte ins Stocken geraten oder erst gar nicht erst gestartet werden können. Um ihre offenen Stellen zu besetzen, die laut Bitkom im Durchschnitt mehr als sieben Monate vakant bleiben, sind die Unternehmen bereit, tief in die Tasche zu greifen. Entsprechend hoch ist das Gehaltsniveau in diesem Beruf. Doch wenn es um die Wahl des künftigen Arbeitgebers geht, ist ein gutes Salär nicht alles, worauf es Entwicklern ankommt. 

Transparenz und klare Ansagen

WeAreDevelopers, die in Europa führende Community und Jobplattform für Software Developer, hat im Rahmen ihrer regelmäßigen Umfrage mehr als 1000 Berufstätige über die Prioritäten in ihrem Job befragt. Die Studienautoren wollten wissen, welche Rolle das Gehalt bei einem Stellenwechsel spielt, wie sich die Gehaltstransparenz auf ihre Entscheidungsfindung auswirkt und wie Entwickler mit Druck, Stress und Probleme am Arbeitsplatz umgehen.

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Ganz oben auf der Präferenzliste der Entwickler stehen Offenheit und klare Ansagen – auch beim Thema Gehalt. Die meisten Jobsuchenden zögern, wenn es darum geht, sich auf Stellen ohne explizite Gehaltsangaben zu bewerben. Doch auch wenn für 30 Prozent der Befragten eine nicht angemessene Entlohnung ein Kündigungsgrund ist, stellt das Gehalt nicht das Maß aller Dinge dar: 43 Prozent wären bereit, ein niedrigeres Gehalt in Kauf zu nehmen, wenn ein bestimmter Job mit beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierewachstum verbunden ist. Für 34 Prozent wären umfassende Fortbildungsmöglichkeiten ein Grund, bei einem niedrigeren Gehalt einzusteigen, und für fast jeden zweiten (46 Prozent) bestünde dieser Grund in einer „sinnstiftenden Tätigkeit“. 

Vor allem jüngere und unerfahrene Entwickler setzen sich selbst unter Druck.

Da Programmierung eine körperlich statische Tätigkeit ist, die viel Konzentration erfordert, ist Entwicklern eine gesunde Arbeitsumgebung äußerst wichtig. Die gute Nachricht: Laut WAD-Umfrage empfinden 45 Prozent der Befragten ihre aktuelle Arbeitsumgebung als sicher und gesund, 34 Prozent empfinden ihre Tätigkeit als sinnstiftend und 33 Prozent schätzen inklusiven Gemeinschaftsinn ihres Teams. 

Ein herausfordernder Job, besonders für Frauen

Zugleich klagen 40 Prozent über hohen Arbeitsdruck und Stress. „Der Druck kommt üblicherweise von den hohen Erwartungen der Vorgesetzten“, erklärt Ana Gospodinova, Director Talent Management bei WeAreDevelopers (siehe auch Interview weiter unten). „Aber auch die Arbeitenden setzen sich oft selbst unter Druck. Besonders jüngere, weniger erfahrene Entwickler sind dafür anfällig. Die Folge sind Symptome wie Schlaflosigkeit und Konzentrationsmangel und die Gefahr von Burnout. In unserer Studie berichten außerdem etwa 16 Prozent über Depressionen.“

Der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer längeren Pause ist für Frauen besonders unvorteilhaft.

Die Tatsache, dass Software-Entwicklung männerdominiert ist, macht diesen Beruf für Frauen besonders herausfordernd – nicht nur in Bezug auf Stress, sondern auch hinsichtlich Karriereentwicklung. „Wenn nach Karrierebeginn die ersten Beförderungen kommen, denken viele Frauen daran, eine Familie zu gründen“, erklärt Ana Gospodinova. „Sie fallen aus dem Beförderungskarussell heraus und wenn sie zurückkommen, wurden die Positionen im mittleren Management bereits an ihre männlichen Kollegen vergeben. Letztere hatten in der Zwischenzeit außerdem die Gelegenheit, ihre Managementfähigkeiten weiterzuentwickeln und ihr technisches Wissen auf dem neuesten Stand zu halten. Das macht den Wiedereinstieg in den Beruf zusätzlich schwierig.“

Fortbildung stärkt die Mitarbeiterbindung

Im Bewusstsein, dass die berufliche Weiterentwicklung unter Software-Entwicklern sehr hoch priorisiert wird, ist dieser Umstand umso bedauerlicher. Laut Studie zeigen sich Developer bei ihrer Karriereentwicklung äußerst proaktiv. Bei mangelnder Unterstützung seitens des Arbeitgebers nimmt fast jeder Zweite (47 Prozent) das Heft selbst in die Hand, um sich neue Fähigkeiten anzueignen und auf dem Laufenden zu bleiben. Rund 20 Prozent suchen sich jedoch lieber einen neuen Arbeitgeber.

Um beruflich voranzukommen, streben Entwickler außerdem nach mehr Verantwortung. „Arbeitgeber sollten die Beweggründe ihrer Angestellten verstehen und Maßnahmen ergreifen, um die Mitarbeiterbindung zu verbessern und den Verlust von Fachkräften zu verhindern. Da jeder Fünfte darüber nachdenkt, das Unternehmen zu verlassen, ist es jetzt höchste Zeit, zu handeln“, mahnen die Studienautoren.

„Eine Kultur des offenen Dialogs etablieren!“

Interview mit Ana Gospodinova, Director Talent Management bei We Are Developers

Arbeitsumgebungen in der Software-Entwicklung haben häufig den Ruf, toxisch zu sein, insbesondere gegenüber Frauen. Warum ist das so?
In der Regel handelt es sich um ein von Männern dominiertes Arbeitsumfeld, genauso wie die Führungsetagen der meisten Unternehmen. Wenn es keine gute Mischung zwischen Männern und Frauen in einem Team gibt, kann das Betriebsklima leicht kippen. Dann leiden unter der toxischen Männlichkeit nicht nur die weiblichen Teammitglieder, sondern auch Männer. Frauen sind natürlich aufgrund ihrer Sozialisierung stärker betroffen, weil sie meist dazu erzogen wurden, sich eher vorsichtig und defensiv zu verhalten.

Woran erkennt man als Vorgesetzter eine toxische Arbeitsumgebung?
Meistens spürt man es schon an der Stimmung, da liegt etwas in der Luft. Wenn plötzlich Stille herrscht, sobald jemand in den Raum kommt, wenn getuschelt wird, wenn Menschen unmotiviert sind, keine Initiative zeigen, kaum eigene Ideen entwickeln, sich für nichts begeistern können und generell lieber den Mund halten, als sich frei zu äußern – all das sind Merkmale eines schlechten Betriebsklimas. Von einem guten Vorgesetzten sollte man erwarten, solche Signale zu erkennen und gegenzusteuern. 

Wie können Gegenmaßnahmen dazu aussehen?
Dazu gehört vor allem eine Kultur des offenen Dialogs und die entsprechenden Prozesse, um Probleme rechtzeitig ans Tageslicht zu bringen. Denn um gewisse Themen überhaupt ansprechen zu können, muss man sich als Teammitglied in der Gruppe sicher genug fühlen. Das verlangt Führungskräften einiges an Fingerspitzengefühl ab. Leider unterstützen die meisten Unternehmen die Entwicklung von Soft Skills im Management nicht aktiv genug durch entsprechende Fortbildungen. Angehörige des mittleren Managements sind meist auf sich selbst angewiesen.

Welche Rolle spielen agile Arbeitsmethoden wie Scrum und Kanban bei der Bekämpfung solcher Probleme?
Sie leisten tatsächlich einen positiven Beitrag, weil sie sehr auf Kooperation und Teamwork ausgelegt sind. Trotzdem brauchen Teams zuallererst eine andere Art Management, das eine Kultur der Mitsprache pflegt. Auf diese Weise haben auch jüngere und unerfahrene Teammitglieder kein Problem, bei Meetings ihre Meinung zu äußern. 

Worauf sollten Führungskräfte von Entwicklerteams sonst achten?
Besonders wichtig ist heute die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen. Entwicklerteams sind mit vielen Anfragen aus allen möglichen Abteilungen konfrontiert. Die Anfragen basieren nicht immer auf einen fertig ausgearbeiteten Business Case oder sind nicht mit den anderen Abteilungen abgestimmt. Das sorgt häufig für Konflikte, in die das Entwicklerteam hineingezogen wird, obwohl es nicht daran schuld war. Deshalb sollten Teamleiter gut über die Geschäftsziele des Unternehmens Bescheid wissen und Projekte entsprechend sorgfältig prüfen, bevor sie sie entgegennehmen und ausführen.

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