Sicherheitsrisiko WhatsApp auf jedem zweiten deutschen Diensthandy

Aus Mangel an Alternativen greifen Mitarbeiter auf Angebote zurück, die aus Sicht des Datenschutzes bedenklich sind. Für Unternehmen bedeutet der Einsatz dieser privaten Tools jedoch Kontrollverlust und hohes Risiko.

Die Deutschen sorgen sich war vordergründig gerne um den Schutz ihrer Daten, doch nur ein Bruchteil der Nutzer schützt sich auch aktiv vor unerwünschtem Zugriff. Das gilt offenbar auch am Arbeitsplatz: Wie eine Studie des Münchner Anbieters Brabbler zeigt, verwenden 49 Prozent der Beschäftigten WhatsApp auf dem eigenen Handy. Gleichzeitig gehen 84 Prozent der Anwender davon aus, dass der WhatsApp-Mutterkonzern Facebook zu sorglos mit den Daten umgeht. Den Nutzern ist laut Studie das rechtliche Risiko durchaus bewusst, das von solchen Dienste für die Unternehmen ausgeht. Das hält aber die Mitarbeiter nicht davon ab, diese Dienste auf dem eigenen Gerät zu installieren.

Nutzer wollen nicht auf die Produktivitätsvorteile von Messenger-Apps nicht verzichten, aber nur wenige Unternehmen stellen sichere Tools bereit. (Bild: Brabbler)
Nutzer wollen nicht auf die Produktivitätsvorteile von Messenger-Apps nicht verzichten, aber nur wenige Unternehmen stellen sichere Tools bereit. (Bild: Brabbler)

Dabei scheint das Problem hausgemacht zu sein: 65 Prozent der Unternehmen bieten den Mitarbeitern kein Business-Tool mit Messenger-Funktionalitäten. Blickt man auf Organisationen mit weniger als 25 Angestellten, dann versäumen es sogar rund 80 Prozent, die eigenen Daten mit Business-tauglichen Collaboration-Lösungen zu sichern.

Die Folge für Unternehmen ist Kontrollverlust über die Daten. Das kann in Anbetracht der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die im Mai dieses Jahres eingeführt wurde, zu empfindlichen Strafzahlungen führen, vor allem bei Verlust personenbezogener Daten.

Das Firmenhandy alleine reicht noch nicht aus

Der Kontrollverlust droht Unternehmen auch, weil etwa die Hälfte aller Mitarbeiter das Privatgerät für geschäftliche Kommunikation nutzt. In kleineren Organisationen sind es sogar drei Viertel der 700 Befragten. Doch die Bereitstellung eines Firmenhandys alleine sorgt noch lange nicht für zusätzliche Sicherheit. Nur ein Viertel der Unternehmen beschränkt mit technischen Mitteln, welche Apps die Anwender installieren dürfen.

Vor allem bei kleineren Unternehmen sind sichere Messengerlösungen nur in Ausnahmefällen zu finden. (Bild: Brabbler)
Vor allem bei kleineren Unternehmen sind sichere Messengerlösungen nur in Ausnahmefällen zu finden. (Bild: Brabbler)

Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass auch nach einer zweijährigen Vorlaufzeit in den Chefetagen immer noch große Unklarheit über die Vorgaben der DSGVO herrscht, wie aus der Studie des Münchner Startups hervorgeht, das mit ginlo selbst eine Messenger-Lösung anbietet.

„Bekommen die Mitarbeiter keine solche Lösung zur Verfügung gestellt, werden sich wohl auch weiterhin viele wider besseres Wissen mit ihren privaten Messengern behelfen“, warnen die Autoren der @work-Studie von Brabbler. Die Anwender, die bereits im Privaten den Mehrwert solcher Tools erfahren haben, werden darauf nicht einfach verzichten, so die Experten. „Dieser Produktivitätsvorteil sollte letztlich auch Unternehmen davon überzeugen, dass die Lösung des „WhatsApp“-Problems nicht in Verboten liegt, sondern in der Bereitstellung sinnvoller Alternativen.“

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2 Kommentare

  1. In der Tat ist der sorglose Umgang mit Snapchat, Facebook und Whatsapp ein Problem. Die Argumentation der Anwender beschränkt sich auf Banalitäten wie: „die anderen spionieren dich doch auch aus“ oder „die Kollegen haben das doch auch alle“.
    Es gab sogar Versuche von Banken und Versicherungen, Whatsapp als offizielles Komunikationsmedium einzuführen.

    Immerhin kopiert sich Whatsapp das komplette Adressbuch (nicht nur den Whatsapp Kontakten), das ist insbesondere bei Firmentelefonen durchaus ein brisantes Thema: Aus den AGBs: „Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.“

    Manche stellen sogar die Frage, wie man ohne WA und FB überhaupt noch durchs Leben kommen könne, das ist jetzt kein Scherz: „Damit begibt man sich auf das soziale Abstellgleis“

    Dabei gibt es mit Signal, Threema und Telegram genug Alternativen, aber leider werden die nur selten genutzt.

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