Der Bot in meinem Team: Chancen und Herausforderungen der digitalen Kollegen

Künstliche Intelligenz wird für den modernen Arbeitsmarkt Immer relevanter – und ruft bei der Belegschaft nicht nur Euphorie auf den Plan. Eine japanische Versicherung entließ Anfang des Jahres ein Viertel ihrer Mitarbeiter zugunsten eines „Sachbearbeiters aus Silizium“. Machen Bots – selbstständig agierende, intelligente Computerprogramme – auch hierzulande bald Millionen menschliche Arbeitskräfte obsolet?

Besonders hoch soll der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der industriellen Fertigung in den nächsten Jahren ausfallen. Prognosen des Automobil-Zulieferers LMC Automotive zufolge sollen bereits im Jahr 2035 48 Millionen voll- und teilautomatisierte Fahrzeuge produziert werden. Eine Studie von McKinsey mit dem Titel „Smartening up with Artificial Intelligence (AI) – What’s in it for Germany and its Industrial Sector?“ sieht künstliche Intelligenz als einen der wichtigsten Wachstumsmotoren für die deutsche Industrie.

In anderen Branchen ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz bereits Realität: In Tokio setzt eine erste Versicherung auf einen künstlichen „Mitarbeiter“, IBMs Watson Explorer AI, der keine Pausen oder Gehaltserhöhungen fordert, dafür aber Routinearbeiten aus dem Effeff beherrscht. Doch was bedeutet die Relevanz künstlicher neuronaler Netze für Entscheider und (menschliche) Arbeitnehmer?

Künstliche Intelligenz als Wachstumsmotor für „Made in Germany“

Die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz werden unter allen Branchen in der Automotive-Industrie am höchsten sein, prophezeit McKinsey.

Auch wenn der Einfluss hierzulande noch nicht so drastisch wie beispielsweise in Japan ist: Bots sind aus der so genannten Industrie 4.0 nicht mehr wegzudenken. Von autonom fahrenden Autos bis hin zu Robotern in der industriellen Fertigung, erledigen künstliche neuronale Netzwerke mittlerweile viele Arbeiten, die früher den Menschen vorbehalten waren. Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass der Markt für künstliche Intelligenz jährlich um satte 25 Prozent wachsen wird und sehen in künstlichen neuronalen Netzen einen der wichtigsten Wachstumsmotoren für die deutsche Industrie.

Intelligente Roboter und selbstlernende Computer sollen Unternehmen branchenübergreifend zu mehr Produktivität verhelfen und gleichzeitig neue, wertschöpfende Tätigkeitsfelder erschließen. Bleiben die Absolventen aus, können sie in Zukunft einfach programmiert werden. „Angesichts der demographischen Entwicklung ist die Produktivitätssteigerung durch Künstliche Intelligenz ein entscheidender Faktor für die deutsche Wirtschaft“, erläutert Harald Bauer, Seniorpartner im Frankfurter Büro von McKinsey.

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Intelligente Maschinen können das Gefahrenpotenzial für Menschen minimieren

Operativ bedeutet das: Die zuverlässige Routine, mit der die Roboter ihre Aufgaben erledigen, soll die Effizienz steigern – und mehr menschliche Kapazitäten für Tätigkeitsfelder schaffen, in denen Innovationsdenken und Kombinatorik gefragt sind. Gefährliche Arbeiten, bei denen Menschen potenziell zu Schaden kommen könnten, würden so vollständig an die künstlichen Kollegen delegiert werden können.

(Quelle: McKinsey)
Künstliche Intelligenz bietet der deutschen Autoindustrie jede Menge Innovationspotenzial – was letztlich auch neue Arbeitsplätze schafft. (Quelle: McKinsey)

Zweifelsohne werden Computer heutzutage immer „schlauer“. Lag die Fehlerrate bei computergestützter Bilderkennung 2010 zum Beispiel noch bei 28 Prozent, waren es 2016 weniger als 5 Prozent. Bei der Spracherkennung sank die Quote von 27 Prozent im Jahr 1997 auf 6 Prozent im vergangenen Jahr. Neben der Euphorie der Geschäftsleitung, die durch die Digitalisierung und Automatisierung arbeitsintensiver Prozesse auf Einsparungen und mehr Effizienz hofft, fürchten viele Arbeitnehmer eine mögliche Substitution ihrer Arbeit – zu Recht?

Experten betonen immer wieder die hohe Relevanz sozialer Kompetenzen, die uns Menschen vorbehalten sind. Menschen lehren Maschinen und machen sich ihre Vorteile zunutze – und nicht umgekehrt. Gerade bei komplexen Datensätzen und Kundenanfragen sind menschliches Denken und Reagieren unerlässlich. Häufig sind insbesondere im Kundenkontakt schnelle Lösungen und Diplomatie gefragt. Schließlich ist die wirtschaftliche Effizienz bei weitem nicht immer Garant für den langfristigen Unternehmenserfolg. Auch die Haftungsfrage ist ein kritisches Thema, denn bis dato sieht unser hiesiges Strafrecht keine Maßregelungen für Roboter vor.

Pilotprojekte sensibilisieren Unternehmen für die Vorteile Künstlicher Intelligenz

(Quelle: McKinsey)
Viel Innovationspotenzial birgt die KI auch für den Maschinenbau und die produzierende Industrie. (Quelle: McKinsey)

Doch wie lautet die Handlungsempfehlung für innovationswillige Unternehmen? Experten sind überzeugt: Organisationen, denen es gelingt, sich durch die Bereitstellung moderner Technologie und die Integration künstlicher Intelligenz auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzustellen und ihnen gleichzeitig das notwendige Know-how an die Hand geben, profitieren langfristig in mehrfacher Hinsicht.

Doch dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. „Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung“, sagt Matthias Breunig, Partner im Hamburger Büro von McKinsey. „Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz ist eine offene Debatte darüber, wie und an welcher Stelle Menschen und Maschinen sinnvoll zusammenarbeiten können.“ Die Unternehmensberatung empfiehlt zunächst kleine Tests und Pilotanwendungen, um den Einsatz künstlicher Intelligenz zu testen und die Mitarbeiter für das Thema – und die Vorteile – zu sensibilisieren.

Dabei ist offene, transparente Kommunikation unerlässlich. Ängste und Bedenken der Mitarbeiter sollten von der Geschäftsleitung ernst genommen werden und in die Weiterentwicklung künstlich unterstützter Arbeitsmodelle einfließen. Zufriedene Mitarbeiter, die die technologischen Möglichkeiten mit Begeisterung teilen, erhöhen die Produktivität und Innovationsgeschwindigkeit. Durch den Einsatz lernender, künstlicher Intelligenz können Unternehmen schnell und flexibel auf veränderte Kundenwünsche reagieren und menschliche Arbeitskraft für agile, innovative Tätigkeitsfelder freilegen. Das spiegelt sich dann auch in der Qualität der Produkte und Dienstleistungen wider.

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