Die Digitalisierung provoziert einen Generationenkonflikt

Egal ob auf der Führungsebene oder der Jobsuche: Junge Entscheider und Arbeitnehmer schätzen sowohl den Einfluss als auch die Vorteile der Digitalisierung im Unternehmen anders ein als ältere Kollegen. Das könnte noch Probleme geben.

Je jünger der Mitarbeiter, desto mehr Digitalisierung. So könnte man zusammenfassen, was verschiedene Studien beim Thema digitaler Wandel in der Arbeitswelt zusammengetragen haben. Laut einer aktuellen Arbeismarktstudie des Personalunternehmens Orizon zusammen mit den Marktforschern von Lünendonk sieht die Generation der 50- bis 59-Jährigen nur zu 40 Prozent einen Vorteil im Arbeitsalltag durch neue Technologien. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es deutlich mehr als die Hälfte (60 Prozent).

Wer glaubt, die Zahlen hätten sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert, der irrt. Einer Studie von Crisp Research im Auftrag von Dimension Data aus dem Jahr 2015 zufolge glaubte vor drei Jahren jeder fünfte Entscheider, ganz auf digitale Transformation verzichten zu können. Jeder Dritte ging davon aus, die Digitalisierung streife ihn nur. Wenn man bedenkt, dass vornehmlich ältere Chefs das Sagen haben, besteht nach wie vor großer Nachholbedarf.

Skepsis kontra digitale Ambitionen

Während die Älteren also skeptisch sind, legt die jüngere Generation einigermaßen großen Wert auf digitale Technologien, sei es bei der Jobsuche oder dem Arbeitsplatz. In der Orizon-Umfrage gab beispielsweise fast jeder Zweite (49 Prozent) der 18- bis 39-Jährigen an, dass Computer Bewerbungen objektiver beurteilen können als der Mensch. Bei den 60- bis 69-Jährigen waren es nur 5 Prozent. Darüber hinaus nutzen 37 Prozent der Jungen soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing für die Jobsuche, nur rund 13 Prozent sind es bei der Generation 60+. Sie bevorzugen den Postweg.

Junge Bewerber haben keine Probleme damit, ein Bewerbungsgespräch mit einem Chatbot zu führen - im Gegenteil.
Junge Bewerber haben keine Probleme damit, ihre Bewerbung von einem Algorithmus beurteilen zu lassen – im Gegenteil. (Quelle: Orizon)

Was heißt das für die Zusammenarbeit in der Zukunft? Immer schon hat es Generationenwechsel gegeben, auch in traditionellen Familienunternehmen. Wenn die 30-Jährigen den Job des Seniors übernehmen, ändert sich etwas, das nicht jeder Mitarbeiter mittragen will. Demgegenüber stehen ältere Generationen, die modern denken und sich so genannte „digitale Skills“ aneignen, wie sie etwa in der Crisp-Studie abgefragt wurden. Allerdings passten nach einem Reifegrad-Modell, das digitale Fähigkeiten und eine digitale Denkweise abfragte, nur 7 Prozent in die Kategorie „Digital Leader“. Die Mehrzahl war ein „Digital Beginner“.

„Digital Leadership“: Digitale Kompetenz könnte den Konflikt entschärfen

Digitalisierung wird für viele zur Generationenfrage. Der Konflikt zwischen Alt und Jung könnte sich unter Kollegen, vor allem aber zwischen der Führungsetage und den Mitarbeitern entspannen. Ältere Arbeitnehmer und Chefs wollen sich häufig nicht mit Veränderungen beschäftigen. Doch die Erwartungshaltung an eine digitale Denkweise, vor allem in der Führungsetage, steigt gerade unter den jungen Berufseinsteigern.

Von Vorgesetzten wird immer mehr "Digital Leadership" erwartet.
Von Vorgesetzten wird immer mehr „Digital Leadership“ erwartet. (Quelle: Crisp Research)

Alt gegen Jung – Bitte keine Stereotypen

Junge Leute erwarten „Digital Leader“, die sich durch einen disruptiven Blick auf Prozesse und Geschäftsmodelle auszeichnen, digitale Innovationen im Unternehmen umsetzen und sich mit Mitarbeitern vor allem der IT-Abteilung regelmäßig austauschen, so die Crisp-Studie. Dazu zählen Aus- und Weiterbildungsangebote, eine offene, der Digitalisierung zugewandte Unternehmenskultur und vor allem kein Diktat von oben, das nicht auch oben vorgelebt wird. Für einige ältere Semester sicher eine Herausforderung – und manche nehmen sie gern an.

Die Kellog School of Management zitiert eine Studie, an der sie beteiligt war, wonach die erfolgreichsten Start-up-Gründer nicht etwa 25 Jahre, sondern im Schnitt 40 Jahre alt sind. Zwar hätten die Gründer der „Digial Natives“-Ära eher ein Gefühl dafür, wie sich mit digitalen Technologien Nutzerbedürfnisse befriedigen ließen. Ältere Gründer dagegen blickten auf mehrere Jahre im Business-Umfeld zurück. Ihr Umgang mit Herausforderungen oder Problemen und Personalführung sei oft erfahrener im Vergleich zu den jungen.

Fazit: Die stereotypische Betrachtungsweise nach „Jung vs. Alt“ scheint für den Erfolg der Digitalisierung im Unternehmen ein Faktor zu sein, der mit Vorsicht zu genießen ist. Es kommt wohl auch auf die Bereitschaft an, Neues zu lernen und sich darauf einzulassen.

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