Fünf Technologie-Trends, die die Grenze zwischen Mensch und Maschine verwischen

Siri steigt vom digitalen Assistenten zum virtuellen Gesprächspartner auf, wir shoppen in virtuellen Showrooms und pflanzen mikroskopische Gerätschaften in unseren Körper ein, um neue Fähigkeiten zu erlangen – willkommen im transhumanen Zeitalter.

Aus der Analyse der 35 heißesten Technologien unserer Zeit hat Gartner fünf Megatrends identifiziert, die die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen werden. (Grafik: Gartner)

Rund 35 Technologien führt Gartner 2018 auf seiner jährlichen Hype-Kurve auf. Basierend auf einer Evaluation dieser Technologien hat das Marktforschungshaus fünf Megatrends identifiziert, die das Potenzial haben, in den nächsten zehn Jahren die Grenze zwischen Menschen und Maschinen als fließenden Übergang zu gestalten. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Hier die Toptrends im Detail.

Die Demokratisierung der Künstlichen Intelligenz

Spätestens seit digitale Assistenten wie Apples Siri oder Google Assistant auf fast jedem Smartphone verfügbar sind, ist Künstliche Intelligenz praktisch ein Massenprodukt. Intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo bringen KI in unsere Wohnzimmer. Das ist allerdings erst der Anfang, denn Künstliche Intelligenz soll in den nächsten zehn Jahren allgegenwärtig werden, prognostiziert Gartner. 

Die Schwelle zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz, aber auch zur Entwicklung von KI-basierten Diensten und Produkten soll durch Open Source-Plattformen wie Googles TensorFlow dramatisch fallen. Künstliche Intelligenz wird somit demokratisiert. Daraus resultierend werden Produkte wie vollautonome Fahrzeuge, virtuelle Gesprächspartner und noch intelligentere Roboter auf den Markt kommen. Diese Produkte haben das Potenzial, die Nutzung von Technologie auf eine neue Ebene zu heben und das Verhältnis von Mensch und Maschine partnerschaftlich zu gestalten.

Digitalisierte Ökosysteme

Die Entwicklung von KI-Anwendungen braucht außer Fachwissen vor allem zwei Dinge: sehr viel Rechenpower und noch mehr Daten, aus denen die künstlichen Hirne lernen können, wie sie mit bestimmten Aufgabenstellungen umgehen können. Das ist der Grund, warum Firmen wie Google oder Amazon in diesem Bereich so weit fortgeschritten sind – sie verfügen über Rechenkapazitäten und Daten en masse. Und das ist auch der Grund, warum Künstliche Intelligenz momentan jenseits der Reichweite mittelständischer Unternehmen ist. 

Glaubt man Gartner, sollen sich die Rahmenbedingungen jedoch bald ändern – weil sich damit Geld verdienen lässt. Auf die gleiche Weise wie Cloud Computing zuerst von Amazon, Google oder Microsoft angeboten wurde, werden diese und andere Unternehmen öffentliche kommerzielle Plattformen für die Entwicklung von KI-Anwendungen anbieten, aber nicht nur diese. 

Auch Blockchain-Anwendungen und solche für das Internet der Dinge (IoT) sollen über diese Plattformen entwickelt werden können, ohne eine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Zudem werden diese digitalen Ökosysteme nicht rein technische Entwicklungsplattformen sein, sondern auch den Entwurf und den Betrieb kompletter Geschäftsmodelle beinhalten. Damit lagern wir nicht nur das eigene Rechenzentrum an einen externen Dienstleister aus, sondern auch die Entwicklung und den operativen Betrieb.

Erweiterte Erfahrungen mit virtueller Realität

Mithilfe von VR-Brillen (Virtual Reality) kann man sich heute schon in virtuelle Welten begeben. Die klobigen Headsets sind jedoch erst der Anfang einer Entwicklung. die die Wahrnehmung unserer räumlichen Umgebung erweitern soll. An deren Ende steht der fließende Übergang zwischen einem real existierenden räumlichen Umfeld und einer völlig künstlichen, virtuellen Umgebung. Wer das Holodeck aus der Serie „Raumschiff Enterprise“ kennt, kann ungefähr ahnen, was Forscher und Industrie im Sinn haben: Komplett virtuelle Umgebungen, die durch einer Reihe von Technologien wie 3D-Projektion geschaffen werden und einer realen Umgebung täuschend ähnlich sind – ohne massige 3D-Brille auf dem Kopf.

Hologramme und 3D-Projektionen werden in den nächsten Jahren dazu beitragen, virtuelle Räume zu schaffen. (Bild: Depositphotos)

„Transparente immersive Erfahrungen“ nennt Gartner das Ergebnis dieses Trends. Darunter sollte man sich allerdings nicht nur Computerspiele und 3D-Kino vorstellen, sondern auch eine ganze Menge beruflicher Anwendungen – von der Schaffung virtueller Trainings- oder Verkaufsräume bis hin zu intelligenten digitalen Arbeitsplätzen, die sich den den Bedürfnissen des Nutzers anpassen und laut einer weiteren Gartner-Prognose zu erheblichen Veränderungen in der Unternehmenskultur führen werden. „Der intelligente Arbeitsbereich ist schon ein ganzes Stück vorangekommen und wird in naher Zukunft seinen Höhepunkt erreichen“, ist sich Mike Walker, Research Vice President bei Gartner, sicher.

Do-it-Yourself Biohacking

Biohacking ist grundsätzlich eine Form der körperlichen Selbstoptimierung. Sie beinhaltet Maßnahmen, die dazu dienen, leistungsfähiger zu werden, eine höhere Lebensqualität zu erzielen oder erweiterte Fähigkeiten zu erwerben. Die Maßnahmen reichen von einer gesunderen Gestaltung des eigenen Lebensstils über die Einnahme leistungssteigernder Medikamente bis hin zur Implantation technischer Erweiterungen in den eigenen Körper.   

Laut Gartner soll im nächsten Jahrzehnt die Menschheit ihre „transhumane“ Ära beginnen: Die Biologie kann dann je nach Lebensstil, Interessen und gesundheitlichen Bedürfnissen verändert, also „gehackt“ werden. Abgesehen davon, dass dieser Trend das Potenzial hat, Motor einer einschlägigen Industrie zu werden, öffnet dieser Trend die Tür den Einsatz mikroskopischer Gerätschaften in unseren Körper, mithilfe derer wir nun anders „funktionieren“. Für Gartner bleibt dabei die Frage offen, wie weit Menschen bei dieser Funktionsveränderung gehen wollen, inwieweit die Gesellschaft bereit ist, solche Techniken zu akzeptieren und welche ethischen Fragen sich daraus ergeben.

Allgegenwärtige Infrastruktur

Wir sind bereits jetzt die meiste Zeit von einer ganzen Reihe technischer Gerätschaften umgeben. Über unser Smartphone stehen uns alle möglichen Anwendungen und Online-Dienste zur Verfügung. Immer mehr Geräte in unserer Umgebung werden bald auch vernetzt sein. Laut Gartner werden wir in absehbarer Zeit permanent von einer Infrastruktur umgeben sein, die uns den Zugriff auf KI-basierte Dienste aller Art ermöglicht, ganz gleich ob wir nur die Uhrzeit wissen oder spontan über einen gesprochenen Satz eine geschäftliche Transaktion in Gang setzen wollen. 

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