Einfache, aber wirksame Kniffe für ein erträglicheres Großraumbüro

Die Entscheidung zum Großraumbüro lässt sich nicht einfach revidieren – selbst wenn Unternehmen zum Schluss kommen, dass es Beschäftigte eben nicht produktiver und zufriedener macht. Hier einige Anregungen für die bessere Gestaltung großflächiger Arbeitsräume.

Die Vorstellung, das offene und weitläufige Büroräume machen die Belegschaft produktiver und regen zu lebendigerer Zusammenarbeit an, hat sich nicht bewahrheitet. Einerseits ist das Großraumbüro eine Kommunikationsbremse, andererseits beschweren sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit zunehmend über die Lautstärke oder fehlende Rückzugsräume. Offene Flächen haben nur einen Vorteil: Sie sind durch die hohe Schreibtischdichte günstiger als Einzel- oder Gruppenbüros. Der Belegschaft bringt das nichts.

Trennwände sind keine gute Idee.

Derzeit wird aufwendig geforscht, wie aus den auf Jahre angemieteten Flächen angenehmere Arbeitsumgebungen werden. Kaum haben Design-Schaffende im Auftrag von Unternehmen überall Großraumbüros in Gebäude gepflanzt, wird alles daran gesetzt, die offenen Flächen wieder attraktiver zu machen.

Erkenntnisse aus der Büro-Simulation des Well-Living-Lab

Eine Gruppe von Neurowissenschaftlern der University of Pennsylvania wollten wissen, ob und wie sich Leistung, Zufriedenheit und Produktivität der Beschäftigten je nach Büroumfeld verändert. Denn selbst wenn Unternehmen ihre Entscheidung rückgängig machen wollten, Büros sind auf Jahre gemietet und können nicht so einfach geräumt werden.

Das Forscherteam setzte Beschäftigte der gemeinnützigen Organisation Mayo Clinic aus Florida in eine simulierte „Büro-Umgebung“ und ließ sie dort ihre tägliche Arbeit in insgesamt 18 verschiedene Settings verrichten. Das Team veränderte die Akustik, Lichtverhältnisse, Temperatur und installierte alles in unterschiedlichen Kombinationen. In regelmäßigen Abständen gaben die Arbeitenden Feedback. Jede Veränderung einer Office-Umgebung hat Einfluss auf das Befinden der Mitarbeiter – innerhalb und außerhalb des Büros, befand die Studie.

Die Büro-Simulation im Überblick mit der Angabe von Sensoren-Standorten und der Schreibtischanordnung
Die Büro-Simulation im Überblick mit der Angabe von Sensoren-Standorten und der Schreibtischanordnung (Quelle: ScienceDirect)

Einige Erkenntnisse des Experiments:

  • Eine als angenehm empfundene Temperatur sorgt für bessere Performance – Probanden, denen es zu warm war, neigten zu mehr Fehlern in einem Performance-Test. Den Testpersonen in der Studie war es aber meistens zu kalt. Sie zogen sich zusätzlich Fleecejacken an, machten einen Tee oder einen Spaziergang, damit ihnen wieder warm wurde – alles das bedeutete eine Unterbrechung und hatte somit Auswirkungen auf die Konzentration.
  • Für die jeweilige Mitarbeiterin oder Mitarbeiter optimales Licht verbessert das Wohlbefinden. Dabei mochten es die Testpersonen besonders, wenn sie Tageslicht genießen und einen Blick nach draußen werfen konnten. Natürliches Licht zogen sie elektrischem Licht ausnahmslos vor und waren an einem „Fensterplatz“ produktiver.
  • Wenig überraschend: Je lauter die Umgebung, desto unkonzentrierter der Mitarbeiter. Dabei stören nicht nur die Gespräche am Nachbartisch, sondern auch das Belüftungssystem oder der Drucker nebenan.
  • Die Zufriedenheit über viele Stunden in einem Büro wirkte sich sowohl auf die Stimmung der Mitarbeiter, ihre Gesundheit, ihre Produktivität als auch auf ihr Schlafverhalten aus.

Tageslicht und Raumtemperatur machen viel aus

Die Erkenntnisse richten sich nicht ausschließlich an Unternehmen mit offenen Büroflächen, können aber für jene eine Möglichkeit sein, Großraumbüros bestmöglich zu optimieren. Im Ergebnis lässt sich mit kleinen Veränderungen große Wirkung erzielen. So ergibt sich beispielsweise, dass es wenig Sinn macht, Trennwände aufzustellen, die das Büro „kleiner“ wirken lassen, dabei aber dem Tageslicht im Weg stehen und den Blick aus dem Fenster verstellen. Auf diese Weise nämlich nimmt man einigen Kollegen die Sicht nach draußen – laut der Studie keine gute Idee. Stattdessen ist es gerade in großen Räumen möglich, nahezu allen Arbeitenden einen Schreitisch mit Blick auf und aus dem Fenster zur Verfügung zu stellen.

Der „Casual Freitag“ hat die Kleiderordnung verändert. Ohne Business-Outfit ist es aber vielen zu kalt im Büro.

Schwierig wird es bei der Temperatur. Gerade in großen Räumen, in denen viele Menschen sitzen, wollen alle verständlicherweise etwas anderes. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren eine recht moderate Wärme in den Büros durchgesetzt, was hauptsächlich der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass dort viele Männer im Anzug ihre Arbeit tun. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen sitzen sowohl Männer als auch Frauen nicht durchgehend im Business-Outfit im Büro. Was mit dem „Casual Freitag“ in vielen Unternehmen seinen Anfang nahm, ist inzwischen Standard: Geschäftskleidung oft nur noch für Termine oder Kundenbesuche. Wenige Grad mehr können also das Wohlbefinden deutlich erhöhen.

Nicht in der aktuellen Erhebung behandelt, aber ebenfalls eine Option ist die Aufforderung an die Belegschaft (und die entsprechende Infrastruktur), für unterschiedliche Aufgaben verschiedene Umgebungen zu nutzen. Das Geheimnis steckt dabei sowohl in einem veränderten Arbeitsplatz, als auch in der Bewegung. Denn es tut Körper und Geist gut, wenn Beschäftigte zwischendurch aufstehen und an Stehtischen arbeiten oder zum Nachdenken oder für Besprechungen nach draußen gehen. Für Meetings eignen sich Teamräume, die auch mal ohne Fensterplatz auskommen, um sich zu konzentrieren und die Kollegen nicht zu stören. Der Wechsel des Arbeitsplatzes ist ja dank mobiler digitaler Technologien heute kein Problem mehr.

Die Verhaltensforscherin Anja Jamrozik, die an der Studie beteiligt war, hat die Ergebnisse in einer Präsentation zusammengefasst:

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