Walking Meetings: Warum es helfen kann, Gedanken freien Lauf zu lassen

Bewegung hilft, sich neu zu konzentrieren, kreativ zu denken und, letztlich, produktiver zu sein. Neu ist das nicht. Doch erst in den letzten Jahren findet eine Methode auch bei Treffen mit Teams oder Partnern Anklang. Business User stellt Vor- und Nachteile der „Walking Meetings“ vor.

Walking Meetings machen Teams kreativer und fördern den Gemeinschaftssinn.

Zu den bekanntesten Walking-Meetings-Fans zählen Apple-Gründer Steve Jobs, Facebook-CEO Mark Zuckerberg und der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Sie haben es bekanntlich zu einigem Erfolg gebracht – für den wohl nicht allein die Idee verantwortlich ist, Meetings als Spaziergang anzusetzen. Trotzdem: Besprechungen an der frischen Luft bei einer Runde um den Block fördern das kreative Denken, motivieren für die bevorstehenden Aufgaben und der Output ist auch größer als nach einem Treffen am Meeting-Tisch. Dieses Fazit zieht eine der umfangreichsten Studien zum Thema. Die Autoren von „Give Your Ideas Some Legs: The Positive Effect of Walking on Creative Thinking“ der Stanford University bilanzieren darin: Mehr als Dreiviertel der Befragten haben mehr Ideen nach einem Spaziergang als diejenigen, die im Sitzen nachgedacht hatten.

Walking Meetings scheinen also nicht nur ein Mittel gegen den Büroschlaf zu sein. Was ist der Reiz von Spaziergesprächen? Klappt das bei jeder Art von Meeting? Wohin geht man am besten und was sollte man dabei eher vermeiden? Business-User hat Pro und Contra zusammengefasst.

Warum Walking Meetings?

Bewegung ist gut für den Geist. Ein Spaziergang vereint Bewegung, Orts- und Perspektivwechsel. In vielen Studien hat sich gezeigt, dass sich Bewegung und Veränderung positiv auf die Produktivität auswirken. Denn das Gehirn setzt dabei Dopamin frei, und das Hormon ist hauptsächlich für die Motivationssteigerung zuständig. Bei einem Spaziergang kommen Ideen in Bewegung, man lässt sich inspirieren oder einfach kurzzeitig ablenken, wenn es zu verkopft wird.

Im Team laufen fördert die Gemeinschaft. Wenn sich ein Team auf ein „Spaziergespräch“ trifft, ist das wie eine Team-Building-Maßnahme. Etwas gemeinsam tun fördert den Gemeinschaftsgeist und entwickelt das zufriedene und motivierende Gefühl, etwas zusammen zu schaffen – für die Realisierung digitaler Collaboration-Konzepte eine leicht zu integrierende Umsetzungsetappe.

Ehrlicher Austausch ohne Hierarchiehürden. Ein Meeting im Gehen durchbricht klassische hierarchische Strukturen, die da sind, wenn ein Mitarbeiter vor und der Chef hinterm Schreibtisch sitzt. Das Nebeneinander Herlaufen erlaubt ein Gespräch auf Augenhöhe, es vermittelt das Gefühl, Dinge aus der gleichen Fallhöhe zu sehen und baut sogar Differenzen ab, die unter dem Eindruck eines „superwichtigen Meetings“ im Meetingraum möglicherweise nicht auszumerzen wären.

Walking Meetings sind wie offline gehen, wenigstens für eine halbe Stunde.

Keine Unterbrechung. Weg vom Bildschirm, weg vom Smartphone, nur wir – klingt romantisch, ist aber in Zeiten ständiger digitaler Präsenz mal ein Segen. Zu oft bleiben Aufgaben liegen, weil man es nicht schafft, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Dauernd bimmelt das Handy oder man schiebt die Anfrage eines Kollegen dazwischen. Walking Meetings sind wie offline gehen, wenigstens für eine halbe Stunde.

Gehen ist gesund. „Sitzen ist das neue Rauchen. Jeder weiß, dass es ungesund ist, aber es fällt schwer, damit aufzuhören“, brachte es Nilofer Merchant, eine ehemalige Apple-Mitarbeiterin, in einem Vortrag auf den Punkt. Die Idee der Walking Meetings sei ferner blockiert durch den Gedanken: entweder Gesundheit oder Verpflichtungen. Das schließe sich aber nicht aus, siehe Spaziergespräche. Gerade wer viel arbeite und zu wenig Zeit habe für Sport, könne beides in Walking Meetings verbinden.

Keine Pause, es fühlt sich aber so an. Walking Meetings sind ein echter Break in der Arbeitsroutine. Menschen verbringen viel Zeit im Sitzen – im Schnitt 9,3 Stunden pro Tag und damit mehr als die durchschnittliche Schlafenszeit von 7,7 Stunden. Einigen kommt die Lauf-Abwechslung wie eine Pause vor, weil man endlich mal vom Rechner wegkommt.

Eignet sich jedes Meeting für einen Walk?

Meetings in Kleingruppen. David Haimes, Senior Director in der Oracle Research and Development Organisation, beschäftigt sich seit Langem mit Walking Meetings und empfiehlt, Treffen im Grünen nur in Kleingruppen mit maximal drei Personen durchzuführen. In großen Gruppen von zehn Leuten und mehr kann es passieren, dass einige nicht mitbekommen, was der andere sagt. Auch die Gefahr, dass zu viel durcheinander geredet wird, wird bei einem Spaziergang nicht kleiner.

Gut bei Brainstorming-Themen. Bei der Suche nach kreativen Lösungsansätzen oder der Entwicklung einer Idee ist ein Walking Meeting bestens geeignet, um den Ideen freien Lauf zu lassen. Allerdings sollte ein konkretes Thema für das Spaziergespräch schon im Vorfeld gewählt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, sich zu „verquatschen“, sagen die Autoren der Stanford-Studie. Wenn es Sinn macht, parallel am Whiteboard zu arbeiten oder Dokumente zu wälzen, sollte das Team besser einen Meetingraum aufsuchen.

Zu einem ähnlichen Ergebis kommt auch der Psychologieprofessor Thomas Ward. In einem Blogbeitrag schreibt er: Wenn es darum geht, ein konkretes Problem zu lösen, kommt man mit Laufen nicht weiter. Er stützt sich unter anderem auf eine Studie der Universität Leiden in den Niederlanden. Danach dämpft Bewegung die Entscheidung zu einer konkreten Lösung.

Do´s und Dont´s für ein Walking Meeting

Lieber nicht auf einen Kalorientempel zulaufen. Das konterkariert einen wichtigen Bestandteil der Walking-Meetings-Idee.

Laufen mit Ziel. Oder besser nicht? Ted Eytan, Medical Director des „Kaiser Permanente Center for Total Health“ und Gallionsfigur beim Thema Walking Meetings, sagt, mit einem Ziel laufe es sich leichter. Er erweitert seine Empfehlung noch damit, sich eine Sehenswürdigkeit auszusuchen, motiviere eventuell manche, die sonst vielleicht lieber sitzen blieben. Nicht optimal seien Ziele wie das Café mit dem besten Kuchen oder der nächste Imbiss. Das konterkariere die Grundidee der Walking Meetings nämlich, nicht nur der Kreativität, sondern auch der Gesundheit wegen eine Runde zu drehen.

Der Psychologieprofessor Ward hat hierzu eine andere Meinung. Er zieht eine Studie der National Taiwan Universität heran, woanch das positive „ziellose“ Laufen kreativere Gedanken freisetzt als wenn der Weg sozusagen vorgegeben ist. Die Studienautoren ließen Gruppen über ungewöhnliche Anwendungen für (Essens-)Stäbchen nachdenken. Die Gruppe, die ohne Vorgaben spazieren ging, hatte originellere Ideen als die Gruppe, die in einem weitläufigen Viereck laufen sollte.

Kollegen auf das Walking Meeting vorbereiten. Wenn Mitarbeiter mit einem Treffen im Meetingraum rechnen und es dann heißt: „Wir gehen raus!“, fühlen sich manche überrannt und sind blockiert. Sinnvoll ist, beim Terminieren des Meetings zu erwähnen, dass es sich um ein Walking Meeting handelt.

Den richtigen Zeitpunkt finden. Die Meinungen, wann die beste Zeit für ein Walking Meeting ist, gehen auseinander. Während die einen die Zeit vor dem Mittagessen präferieren, umgehen die anderen lieber das Nachmittagstief und legen Spazier-Besprechungen auf 15 Uhr oder später.

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Ein Kommentar

  1. Wertvolle Tipps! Danke! Meine Freundinnen haben sich vor kurzem mit der Organisation für eine Team-Sitzung beschäftigt https://2redline.de/meetings/ Eine richtige Raumgröße mit praktischen Mäbeln, ein Bildschirm mit integriertem Soundsystem und flexible Sitzmöglichkeiten haben eine angenehme Atmosphäre geschafft:) Danke!

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