Volkswagen und die Fachkräfte: „Wir machen es selbst“

Während die Bundesregierung daran arbeitet, dem Fachkräftemangel mit Experten aus dem Ausland zu begegnen hat sich Volkswagen entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ab 2019 bildet der Autobauer „waschechte Software-Entwickler“ aus.

Die Fachkräfte-Misere hat längst alle Branchen erreicht und die Engpässe sind auch in der Automobilbranche eklatant. Man kann das bejammern – oder selbst aktiv werden. VW hat eigens ein Ausbildungsprogramm mit dem Namen „Fakultät 73“ und einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro gegründet. Dort sollen im ersten Jahr 100 Teilnehmer zum Software-Entwickler ausgebildet und nach erfolgreichem Abschluss von den Wolfsburgern übernommen werden. Die Bewerbungsfrist für das bevorstehende erste Ausbildungsjahr 2019 läuft noch bis zum 04. November 2018. Die Ausbildung erfolgt an der AutoUni in Wolfsburg und in Zusammenarbeit mit ausgewählten Hochschulen und privaten Bildungsanbietern. Intern sind die Weiterbildung der Volkswagen Group Academy, das Personalressort, die Konzern-IT und weitere Fachbereiche beteiligt.

„Programmierkenntnisse sind wünschenswert. Wenn nicht, lernen Sie das bei uns :-)“, so VW.

Das Angebot ist angesichts der vielen fehlenden Talente absichtlich weit gefasst und richtet sich an „IT-Begabte, Studienabbrecher oder auch Arbeitssuchende, deren Fähigkeiten passen, die aber Aufgrund ihrer Qualifizierung bisher keine Chance für eine feste Einstellung hatten. Auch Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen oder diesen bereits in der Tasche haben, können sich bewerben“, heißt es auf der Webseite des Programms. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen: „Englisch- und Programmierkenntnisse wären wünschenswert, sind aber keine Voraussetzung! Denn das lernen Sie bei uns. :-)“.

Innerhalb von zwei Jahren sollen Themen wie Mathematik für Software-Entwickler, Programmieren in Java, technische und theoretische Informatik, Datenbanken und Echtzeitdatenverarbeitung sowie Englisch und Projekt- und Zeitmanagement vermittelt werden. Die Initiative dürfte Teil beziehungsweise Konsequenz der Konzernstrategie „TOGETHER – Strategie 2025“ sein, die der Konzern 2016 eingeleitet hat. Darin ist das Ziel verbrieft, weltweit führender Anbieter nachhaltiger Mobilität zu werden. Dazu zählen sowohl neue Modelle als auch smarte Mobilitätslösungen, die VW als Dienstleister anbieten will. Allein, die müssen erst entwickelt werden.

Damit sich potenzielle Nachwuchsfachkräfte auch wirklich für VW als Arbeitgeber erwärmen, lockt der Konzern nicht nur mit einer Ausbildungsvergütung in Höhe von 1.134,50 Euro. Ebenfalls im Strategiepapier ist davon die Rede, ein Arbeitgeber mit „einem attraktiven und modernen Arbeitsumfeld, einer zukunftsfähigen Arbeitsorganisation sowie einer Führungs- und Unternehmenskultur, die die Stammbelegschaft hält und neue Talente gewinnt“ sein zu wollen. Laut eigener Aussage sind bereits Digitalisierungsprojekte auf dem Weg, die Business 4.0 und Industrie 4.0 anschieben und ein kreatives Umfeld in Zeiten technologischen Wandels schaffen sollen.

73 ist das neue 42, deshalb „Fakultät 73“

Damit umreißt VW das, was im Zusammenhang mit der Werbung um Fachkräfte oder Nachwuchstalenten immer angemahnt wird, nämlich nicht ausschließlich mit Geld und Benefits zu locken, sondern mit Angeboten zur Weiterbildung oder flexibler Arbeitsgestaltung. Ob das Profil am Ende zum Bewerber passt, muss dieser für sich entscheiden.

Übrigens: Die Zahl 73 aus dem Namen des Ausbildungsprogramms ist nicht zufällig gewählt. „73 ist die 21. Primzahl. Ihre Spiegelzahl – die 37 – ist die 12. Primzahl. Deren Spiegelzahl – die 21 – ist das Produkt der Multiplikation von 7 und 3. Also eine tolle Zahl,“ lautet die Begründung von VW dazu. Die 42, die Älteren unter uns noch als Zahl aller Zahlen bekannt ist und die aus dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ stammt, scheint in Zeiten der US-Sitcom „Big Bang Theory“ ausgedient zu haben. Dort nämlich wurde die Zahl 73 zur besten Zahl auserkoren.

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