Künstliche Intelligenz durchdringt Unternehmensanwendungen

Künstliche Intelligenz soll menschliche Fehler reduzieren und die Automatisierung vorantreiben. Vor allem in Nordeuropa scheint der Einsatz bereits recht etabliert zu sein, sagt eine neue Studie von PAC.

Immer mehr Unternehmen planen den Einsatz von künstlicher Intelligenz in eigenen Anwendungen oder nutzen bereits diese Technologie, um damit die Automatisierung ihrer Prozesse voranzutreiben. Europäische Unternehmen erhoffen sich von dem Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) darüber hinaus Effizienzsteigerungen und vor allem die Reduzierung von durch Menschen verursachter Fehler.

Einer Studie des Marktforschungsinstitutes PAC zufolge planen derzeit 71 Prozent der europäischen Unternehmen, Anwendungen mit KI zu erweitern oder tun das bereits. Etwa gleich hoch liegt der Anteil der Unternehmen, die sich durch den Einsatz schnellerer Prozesse mehr Abschlüsse und bessere Handlungsempfehlungen erhoffen. Damit einher gehe laut PAC auch die aktuell hohe Nachfrage nach Technologien, die dafür ausgelegt sind, die Effizienz im Unternehmen zu steigern. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmen haben aktuell irgendeine Form der KI im Einsatz.

„Europäische Unternehmen schreiben der künstlichen Intelligenz ein großes Innovationspotenzial für ihre Unternehmensanwendungen zu, was das Prozessmanagement, die Automatisierung von Arbeitsabläufen und das Benutzererlebnis anbelangt“, kommentiert Studienautor Frank Niemann, Vice President Enterprise Apps & Related Services bei PAC. „Sie bietet etliche Möglichkeiten zur Verbesserung bestehender Unternehmensprozesse und zur Unterstützung der Entscheidungsfindung in den verschiedensten Bereichen, ob im Finanzbereich, der Lieferkette, der Fertigung, im Vertrieb oder Marketing.“

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Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz sollen vor allem menschliche Fehler reduziert werden. (Bild: PAC)
Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz sollen vor allem menschliche Fehler reduziert werden. (Bild: PAC)

Hürden bei der Einführung

KI scheint sich damit zu einer strategischen Option gemausert zu haben, stellen die Autoren der PAC-Studie „What AI can do for business applications“ angesichts der Ergebnisse fest. Andere Unternehmen sehen in KI zudem das Potenzial zur Verbesserung der Unternehmensergebnisse.

Kurzfristig wollen laut Studie etwa 56 Prozent Unternehmensanwendungen mit KI-Features zukaufen und 55 Prozent wollen mit KI-Investitionen bestehende Lösungen erweitern. Wie so eine Erweiterung aussehen kann, lässt sich an dem Beispiel der Mittelstandslösung Sage 50cloud nachvollziehen. Laut Studie wollen die befragten Firmen mittelfristig für die Integration von KI-Systemen in ihren Produkten, für die Anstellung von KI-Experten und für Beratungsleistungen Geld in die Hand nehmen.

Was aber sind die Einstiegshürden? Offenbar fehlt es nicht an Einsatzmöglichkeiten oder Use Cases. Vielmehr sehen die meisten Unternehmen  die größten Schwierigkeiten in rechtlichen Fragen oder Compliance-Belangen. Auch die Angst vor möglichen Arbeitsplatzverlusten scheint eher eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Optimierung der Lieferkette, höhere IT-Sicherheit, Betrugsbekämpfung und eine verbesserte Kundenansprache, das sind die Erwartungen, die an den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geknüpft werden. (Bild: PAC)

Strategisch noch etwas ratlos

Bei der Implementierung von KI im Zusammenhang mit Unternehmensanwendungen greifen 92 Prozent der Befragten auf Anbieter von Cloud-Anwendungen zurück. Etwas weniger als ein Drittel der Anwender nutzt dafür Anbieter von On-Premises-Lösungen. Unabhängig von der Plattform erwarten die Nutzer zudem  von den Anbietern neben der Fähigkeit, KI-Funktionen in die Anwendungen zu implementieren, die auch die Bereitstellung passender Anwendungsszenarien (Use Cases).

Eine umfassende Unternehmensstrategie ist jedoch europaweit nur bei 11 Prozent der Unternehmen zu finden. Innerhalb der nächsten 24 Monate aber soll laut Studie dieser Anteil auf 74 Prozent ansteigen. In vielen Fällen wird die IT-Abteilung mit einbezogen, aber auch die Unternehmenseinheiten spielen bei der Planung eine gewisse Rolle. Der am häufigsten anzutreffende Ansatz sei laut PAC-Studie, eine neue Stelle zu schaffen, die für das firmenweite Rollout von KI verantwortlich zeichnet, aber auch der Aufbau von interner Expertise in den Fachbereichen.

Skandinavien hat die Nase vorn

Die Studie basiert auf Interviews mit erfahrenen Entscheidungsträgern aus dem Unternehmens- sowie IT-Bereich in 240 Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, die in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, der Schweiz, Spanien und den nordischen Ländern (Finnland, Schweden, Dänemark) aktiv sind.

Unternehmen in Spanien und Italien zeigten sich dabei sehr zurückhaltend. Lediglich 17 Prozent der Befragten schreiben KI strategische Wichtigkeit für zukünftigen Unternehmungen zu. Im Vergleich dazu haben Unternehmen aus nordischen Ländern KI besonders stark vorangetrieben: 17 Prozent haben bereits eine KI-Strategie etabliert, 70 Prozent planen oder starten aktuell die Entwicklung interner KI-Kompetenzen.

Auch Brüssel ist inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass KI für die Wettbewerbsfähig der EU ein entscheidender Faktor ist. Die EU kündigte bis 2020 daher ein milliardenschweres Investitionsprogramm an. Wie aber die PAC-Studie zeigt, scheint vor allem der Süden Europas Nachholbedarf zu haben.

Die Multi-Client-Studie wurde von NTT Data, Accenture, Fujitsu, Salesforce und T-Systems unterstützt.

Titelfoto: Alex Knight via Unsplash.com

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