CIOs und IT-Abteilungen: Die schleichende Entfremdung

CIOs sind aus der Mode gekommen. Die Superstars der Neunziger sind im letzten Jahrzehnt noch gut mitgeschwommen, doch Cloud Computing ist gerade dabei, ihre Rolle radikal zu verändern.

Solange die IT eines Unternehmens ausschließlich von der Arbeit der eigenen IT-Abteilung abhängig war, hatte der CIO noch eine klar definierte Rolle — die Möglichkeiten der IT mit den Anforderungen des Geschäfts zusammenzubringen. Sein wichtigstes Instrument dabei war die eigene IT-Abteilung und ihre Dienstleister. Sie waren die alleinigen Provider von IT-Anwendungen, ohne sie ging gar nichts.

Und dann kam Cloud Computing. Und das iPhone. Und das iPad. Und BYOD. All die guten Dinge, die Anwender dazu gebracht haben, sich von ihrer IT-Abteilung zu emanzipieren (IT-Profis würden lieber sagen, sie zu umgehen). Und CIOs finden sich immer öfter in der Zwangslage, ihre Rolle neu zu definieren, und gleichzeitig im Clinch mit ihren Kollegen von der IT-Abteilung.

Der Grund dafür ist einfach: Nicht nur einzelne Anwender können jetzt an ihrer IT-Abteilung vorbei arbeiten, sondern auch ganze Fachabteilungen — komplett, organisiert und amtlich. Wie eine neue Studie von CA Technologies jetzt zeigt, geben in Deutschland IT-Abteilungen nur noch 59 Prozent des IT-Budgets in Eigenregie aus, über der Rest können den anderen Abteilungen nach eigenem Gusto verfügen. Sie geben das Geld am liebsten für Cloud-Anwendungen aus, die abteilungsweit ohne Mitwirkung der IT aufgesetzt und betrieben werden. “Dass Fachabteilungen ihre IT exklusiv von der IT-Abteilung beziehen, das hat sich bald ganz erledigt”, sagte CA Vice President Georg Lauer bei der Präsentation der Studie.

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Was die IT ganz besonders schmerzt: Oft arbeitet auch der CIO komplett an ihnen vorbei. Wie gut oder schlecht seine Gründe dafür sind, sei dahingestellt — er tut es einfach. Wobei weniger die grundsätzlichen Gründe dafür zu beanstanden wären, sondern eher das wie: Ohne sie zu konsultieren oder Bescheid zu sagen. Er beschließt, die IT muss damit klar kommen.

Mag sein, dass ihm seine neue Rolle Kopfzerbrechen bereitet, denn als CIO muss er jetzt noch ein paar Baustellen mehr betreuen und wenn er seine Aufgabe erfüllen will, muss er die Firmen-IT etwas breiter denken. Seine IT-Abteilung ist in diesem Szenario das Reformprojekt, die geht man oft etwas widerwilliger an wenn man dabei auch die eigene Beziehung zum Reformobjekt umkrempeln muss.

Außerdem hat es die Reform selbst ziemlich in sich, denn auch die IT-Abteilung sucht eine neue Rolle für sich — vor allem eine, die gebührend gewürdigt wird. Momentan wird sie vorwiegend als Kostenstelle gesehen, die es zu optimiert gilt. Als das notwendige Übel, das den Laden am Laufen hält (41 Prozent der Befragten in der CA-Studie), technischen Support für die Mitarbeiter leistet (40 Prozent) und vor allem für Sicherheit sorgt (50 Prozent).

Als Abteilung, tut sich die IT schwer damit, den eigenen Nutzen fürs Unternehmen überhaupt zu artikulieren. Nicht mal ein Drittel der IT-Verantwortlichen schaffen es laut Studie, ihre Leistungsdaten den anderen Abteilungen zu kommunizieren. Letztere sehen auch nicht so ganz ein, warum sie sich die Mühe machen sollen, mit der IT-Abteilung zu sprechen. Laut Studie wird nur jeder vierte IT-Verantwortliche hinzugezogen, um die Auswirkungen von neuen Investitionen mit zu beurteilen.

Immerhin, ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt durch die Tatsache auf, dass IT als Thema, unabhängig von der eigenen IT-Abteilung, an Bedeutung gewinnt. So beurteilten 85 Prozent der Befragten die IT als strategisch sehr wichtig bzw. elementar. 71 Prozent der CIOs berichten jetzt direkt an die Geschäftsleitung, vor zwei Jahren waren es noch 39 Prozent. Nun muss sich “nur noch” die IT in einer Mehrfach-Rolle bewähren — mal als Provider, mal als Enabler, mal als Berater und mal als Genehmigungsinstanz. Hoffentlich mit Hilfe ihres CIOs.

(Grafik: Ambrozio via Freeimages)

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