Low-Code und Rapid Application Development bringen Business und IT zusammen

Low-Code- und Rapid Application Development-Plattformen (RAD) ermöglichen kürzere Zyklen bei der Entwicklung von Anwendungssoftware. Die dadurch gewonnene Flexibilität erlaubt es Unternehmen, sich schnell auf veränderte Bedingungen einzustellen. 

Immer öfter hört man, dass Unternehmen es schaffen müssen, Business- und IT-Abteilungen zusammenzubringen. Das ist auch dringend nötig, denn vor allem durch die Entwicklung innovativer Software und mobiler Anwendungen können Wettbewerbsvorteile gewonnen, beziehungsweise gehalten werden. Low-Code-Plattformen könnten nun dieses Wunder schaffen. 

Low-Code-Programmierung steigert die organisatorische Agilität

Zumindest die Zahlen sprechen dafür: Nach einer aktuellen Untersuchung von Forrester Research wächst der Low-Code-Markt um fast 40 Prozent jährlich. Die entsprechenden Tools sollen Unternehmen helfen, die Zeit für Entwicklung, Test und Bereitstellung von Software zu reduzieren. Unternehmen, die auf Low-Code-Programmierung setzen, weisen laut der Studie eine höhere organisatorische Agilität auf als solche, die keinen Low-Code-Ansatz verwenden. Welche Potenziale lassen sich also für Unternehmen, egal aus welcher Branche, dadurch ausschöpfen?

Agilität schafft ein neues Verständnis für Ziele

Agile Methoden haben in den letzten zehn Jahren die Software-Entwicklung entschieden geprägt und das agile Denken breitet sich langsam auch auf die Funktionsweise anderer Unternehmensbereiche aus. Dennoch werden nach wie vor viele klassisch organisierte Projekte in einer nicht-agilen, also linearen Abfolge geplant. Das lässt sich in vielen Bereichen, zum Beispiel beim Bau von Verkehrsinfrastruktur wie etwa Brücken, kaum anders gestalten. 

Auch die Entwicklung von Software nutzte bis vor etwa zehn Jahren überwiegend dasselbe Prinzip. Bei Methoden wie dem Wasserfall-Modell werden Projekte bis zum Ergebnis durchgeplant und Aufgaben nacheinander abgearbeitet. Ist bei diesen Methoden eine Aufgabe erledigt, widmen sich die beteiligten Teams der nächsten. Verzögerungen ziehen sich dann erfahrungsgemäß bis zum Ende des Projektes durch. 

Unterschiedliche Ansätze

Die agile Softwareentwicklung funktioniert nicht nur anders, nämlich iterativ, sondern auch bereichsübergreifend. Das heißt, idealerweise sind sowohl Software-Entwicklung als auch Fachbereiche gleichermaßen involviert. Statt hohem Detailgrad in der Planung werden viele Aufgaben gleichzeitig angegangen. Damit das gelingt, braucht es statt ein von vornherein definiertes Ergebnis eher ein klar definiertes Ziel, das es zu erreichen gilt. 

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Teams, ob in Fachbereichen, Management oder in der IT selbst, nähern sich der Lösung gemeinsam und in vielen kleinen Schritten. Sie unterteilen ein großes Projekt in zahlreiche Zwischenstufen und definieren die konkreten Aufgaben, wenn eine Zwischenstufe abgeschlossen ist. Das macht es leichter, auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren und ständig zu adaptieren. 

Interne Barrieren abbauen

Rapid Application Development-Plattformen kehren nun das bisher sehr traditionell geprägte IT-Modell um. Anstatt dass die Entwickler alleine bestimmen, wie eine Anwendung aussehen soll, kann auch das Fachbereichsmanagement aktiver Teil des Prozesses werden. Vieles von dem, was sie früher in Excel-Tabellen oder Checklisten in der Zwischenablage eingerichtet haben, können sie jetzt durch Cloud-basierte Software bearbeiten. 

Fachbereiche müssen Entwicklern nichts mehr erklären, sondern können ihnen direkt zeigen, was sie möchten.

Vorteil ist hier vor allem der visuelle Zugang zu Elementen einer Entwicklungsumgebung. Da sie übersichtlicher und einfacher zu bedienen ist, können Frontline-Manager und andere nichttechnische Mitarbeiter*innen Frontend- und Basisfunktionen selbst konfigurieren, wie zum Beispiel die Erstellung eigener Oberflächen, Designs und Funktionen. Anstatt den Entwicklern zu erklären, was sie wollen, können sie es ihnen direkt zeigen. Den gesamten Code Zeile für Zeile programmieren zu lassen wird somit überflüssig. Das beschleunigt die Entwicklung und verbessert nachhaltig die Qualität.

Agilität erhöht Zusammenarbeit

Je mehr Beteiligte mit unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zusammenarbeiten, desto innovativer können die Lösungen aussehen, die durch solche Teams entstehen. Um all diese Perspektiven einzubringen, braucht es wiederum die richtige Plattform, die diesen agilen Ansatz leiten und für alle sichtbar machen kann. Wird eine Roadmap auf einer Rapid Application Development-Plattform abgebildet, können mehrere Anwendungen in kurzer Zeit entwickelt werden. Zudem wird dabei auch ein Überblick über die zu erreichenden Ziele geschaffen – für alle Beteiligten, Business und IT. 

Kürzere Entwicklungszyklen ermöglichen schnelleres Feedback.

Bei Rapid Application Development-Plattformen können Benutzer*innen und Entwickler*innen typischerweise gemeinsam eine Applikation einsehen und die Änderungen live diskutieren. Dies erfordert ein Umdenken in Arbeitsweisen, führt bei konsequenter Umsetzung der agilen Methoden jedoch zu einer beträchtlichen Reduzierung der Zykluszeiten und des vergeudeten Aufwands. Kürzere Entwicklungszyklen wiederum ermöglichen einen höheren Takt an Feedback. Das erfordert ein hohes Engagement aller beteiligten Parteien (Stakeholder), welches nur durch den Abbau interner Barrieren möglich wird, führt aber zu einer höheren Qualität der Anwendungen bei gleichzeitig gestiegener Benutzerakzeptanz.

Das agile Versprechen einlösen

Generell machen es Low-Code- und RAD-Plattformen für technische und nicht-technische Teammitgliedern leichter, in Echtzeit zusammenzuarbeiten, den Entwicklungszyklus zu verkürzen und die Kosten zu reduzieren. Auf diese Weise kann beispielsweise die Qualitätssicherung Feedback geben, das Entwicklungsteam die Änderungen vornehmen und die Änderungen in Echtzeit testen, anstatt sich auf den zeitraubenden Prozess der Identifizierung, Dokumentation, Priorisierung, Behebung und erneuten Prüfung von Fehlern zu konzentrieren. Der Return-on-Invest (RIO) agiler Herangehensweisen zeigt sich der Erfahrung nach oft schon nach wenigen Monaten.

Im Wesentlichen halten die RAD-Plattformen die Versprechen ein, die die agile Software-Bewegung vor über einem Jahrzehnt gemacht hat. Doch anstatt die Software-Entwicklung nur in das restliche Unternehmen zu integrieren, ermöglichen RAD-Plattformen eine Integration der Software- und Anwendungsentwicklung innerhalb der Fachbereiche. Das ist ein wichtiger Faktor im Bestreben der des CIOs, die Gesamtorganisation langfristig auf bereichsübergreifende, agile Teams umzustellen und bestehende Struktursilos aufzubrechen.


Über den Autor

Christoph Garms ist Software-Architekt und Managing Director der Neptune Software GmbH

 

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