Feldstudie belegt: Homeoffice macht Mitarbeiter produktiver

In einer chinesischen Stadt, in der Büroflächen teuer und schwer zu erreichen sind, wurde nun zwei Jahre lang die wohl bisher größte Home-Office-Studie durchgeführt – mit überraschenden Ergebnissen.

Weniger Krankheitstage, mehr Leistung, weniger Kündigungen – so lassen sich die Ergebnisse einer Studie der Universität Stanford zusammenfassen. Zwei Jahre lang wurde in der Studie bei einem chinesischen Unternehmen mit 16.000 Mitarbeitern die Vor- oder Nachteile von Home Office untersucht.

Die Studie unter der Regie von Professor Nicholas Bloom zeigt, dass sich die Heimarbeit auch für den Arbeitgeber auszahlt. Eine Abschlussklasse wurde auch von James Liang besucht, der Ctrip mitgegründet hat und inzwischen auch der CEO des größten Reiseunternehmens Chinas ist.

Das Unternehmen hat den Hauptsitz in Shanghai. Dort sind nicht nur die Mieten horrend hoch, auch der Weg zur Arbeit stellt eine echte Herausforderung dar. Einige Mitarbeiter müssen aufgrund des Mangels an bezahlbarem Wohnraum sehr lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. So waren die Kündigungsraten in dem immerhin 16.000 Mitarbeiter starken Unternehmen sehr hoch.

Bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland bietet die Möglichkeit für Home-Office, Tendenz steigend. (Quelle: Bitkom)
Bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland bietet die Möglichkeit für Home-Office, Tendenz steigend. (Quelle: Bitkom)

Für den Test schuf Professor Bloom nun eine Gruppe von 500 Mitarbeitern. Die eine Hälfte konnte freiwillig von Zuhause aus arbeiten. Voraussetzung für diese Gruppe war ein Zimmer und eine ausreichende Breitbandanbindung. Die Kontrollgruppe pendelte dagegen auch weiterhin in das Büro in der Stadt.

Zunächst war Bloom davon ausgegangen, dass sich negative und postivie Effekte gegenseitig aufheben würden. Doch die erhobenen Daten widersprachen dieser Annahme. Vielmehr zeigte sich ein deutlicher Produktivitätsanstieg von 13 Prozent bei den Heimarbeitern. Sie arbeiteten  9 Prozent länger während einer Schicht und konnten auch 4 Prozent mehr Anrufe machen, was die Autoren der Studie auf die besseren Arbeitsbedingungen im Homeoffice zurückführen.

Das steht im Gegensatz zu den Pendlern, die unter anderem aufgrund schwieriger Verkehrsbedingungen häufig zu spät kamen oder früher aufbrechen mussten. Die Heimarbeiter hingegen konnten die Schichten meist vollständig absolvieren und arbeiteten größtenteils sogar noch länger.

Die Zahl der Kündigungen ging um 50 Prozent zurück, die Heimarbeiter machten generell kürzere Pausen und waren auch länger und intensiver „bei der Sache“ als die Kollegen im Büro. Hinzu kommen weniger Krankmeldungen und weniger Urlaubsanträge. Dadurch, dass weniger Bürofläche zur Verfügung gestellt werden musste, konnte das Unternehmen sogar etwa 2000 Dollar pro Mitarbeiter an Miete einsparen.

Einen kleinen Haken konnte Bloom jedoch dennoch ausmachen. Etwa die Heimarbeiter beklagten ein Gefühl der Isolierung, wenn sie Vollzeit von zu Hause aus arbeiten. Zudem wurden sie bei gleicher oder besserer Leistung seltener befördert als die Kollegen.

Daher rät Bloom, Heimarbeit nicht als Dauerlösung sondern nur an einigen Tagen in der Woche einzusetzen. Aufgrund der Studienergebnisse erlaubt Ctrip jetzt in der gesamten Firma eine Home-Office-Regelung. Auch konnten die Teilnehmer an dem Experiment entscheiden, ob sie lieber von zu Hause aus arbeiten wollen. Mehr als die Hälfte entschied sich für diese Option. Studien wie diese machten aus seiner Sicht aber auch deutlich, wie wichtig bei modernen Arbeitsplatzkonzepten Lernprozesse sind.

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