Umweltziele erreichen dank Object-Centric Process Mining

Um Geschäftsprozesse effizienter – und damit nachhaltiger – zu gestalten, muss man über deren Abläufe und Abhängigkeiten genau im Bilde sein. Object-Centric Process Mining (OCPM) kann die dazu nötigen datengestützten Erkenntnisse liefern.

Nachhaltigkeit ist heute längst kein „Nice-to-have“ mehr – es ist zu einer wichtigen wirtschaftlichen Größe geworden und entwickelt sich zu einer entscheidenden Säule für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Kunden, Öffentlichkeit und Regierungsinstitutionen üben zunehmend Druck aus auf Firmen, ihre Pflichten gegenüber der Umwelt und der Zukunft nachweisbar zu erfüllen. Unternehmen müssen auf diese Anforderungen reagieren, wollen sie mittel- und langfristig im Wettbewerb bestehen. Die steigende Bedeutung des Themas zeigt sich auch auf gesetzlicher Ebene, beispielsweise durch Regulierungen wie das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten. 

Unternehmen sollten sich vor „grünen Initiativen“ hüten, hinter denen keine nachweisbaren Ergebnisse stehen.

Verbraucher wiederum machen durch ihre Kaufentscheidungen deutlich, dass sie mehr und mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Laut einer Studie von Roland Berger ist das Thema für Kunden aller Branchen ein wichtiges Kaufkriterium, für viele inzwischen sogar ein Muss. Doch für Unternehmen ist hier auch Vorsicht geboten: Sie sollten sich davor hüten, ihr Image durch grüne Marketingbotschaften zu pflegen, hinter denen keine substantiellen und nachweisbaren Ergebnisse stehen. Denn sogenanntes Greenwashing kann nicht nur zu einem gravierenden Vertrauensverlust bei den Kunden führen – es drohen außerdem rechtliche Konsequenzen in Form von Geldstrafen oder anderen Sanktionen.  

Dass also der Schutz von Umwelt und Klima eine dringliche Sache ist, steht für die Unternehmen sicherlich nicht in Frage. Doch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zögern sie, Nachhaltigkeitsprojekte zu starten, die teilweise mit großen operativen Herausforderungen und signifikantem Investitionsbedarf verbunden sind. Wie also lässt sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit unter einen Hut bekommen? Könnten sich Nachhaltigkeitsinitiativen auch in monetärer Hinsicht für Unternehmen auszahlen?

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Dem Mehrwert von Prozessen auf der Spur

Herauszufinden, wo genau die Stellschrauben sind, um beispielsweise CO₂-Emissionen einzusparen, kann viel Zeit sowie erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in Anspruch nehmen. Laut einer IDC-Studie sind die größten Hürden für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen in Unternehmen der Mangel an Fachkräften (26 %), eine veraltete IT-Infrastruktur (24 %), die fehlende Messbarkeit des Return on Investment für Nachhaltigkeitsinitiativen (21 %) sowie die Kosten (19 %). 

Denn um Kennzahlen wie den Energieverbrauch oder CO2-Emissionen verbessern zu können, müssen sie zunächst erfasst, ausgewertet und miteinander ins Verhältnis gesetzt werden. Nur dann sind Trends erkennbar und Rückschlüsse auf Einsparmaßnahmen möglich. Das Dilemma: Diese Informationen sind in einer Vielzahl von Prozessen verborgen, die noch dazu nicht isoliert zu betrachten sind, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Hier setzen innovative Technologien wie datenbasiertes und KI-gestütztes Process Mining an, die tief in die verschiedenen Wertschöpfungsprozesse blicken. 

Die Rolle von Object-Centric Process Mining

Process Mining analysiert Betriebsabläufe anhand von Ereignisprotokollen und funktioniert dabei wie eine Art Röntgengerät: Vorhandene Unternehmensdaten werden durchleuchtet und Verbesserungsmöglichkeiten, wie beispielsweise Potenziale zum Einsparen von CO₂-Emissionen, identifiziert. Die Weiterentwicklung dieser Technologie – Object-Centric Process Mining (OCPM) – geht noch darüber hinaus. Es ermöglicht eine prozessübergreifende Erfassung, Modellierung und Auswertung der Daten.

OPCM ist in der Lage, die Wechselwirkung zwischen allen Unternehmensbereichen aufzuzeigen.

Ein neuer dreidimensionaler Ansatz bietet dabei einen Überblick über verschiedene Systeme. Anstatt einzelne Prozesse als isolierte Einheiten zu betrachten, erfasst Object-Centric Process Mining alle Objekte (zum Beispiel Lastwagen, Kundenbestellungen, Teile) und Ereignisse (zum Beispiel Ankunft einer Lieferung, Verarbeitung, Versand, Rechnungsstellung). So ist die Technologie in der Lage, die Wechselwirkung zwischen allen Bereichen, wie beispielsweise Auftragsmanagement, Beschaffung, Lieferkette und Produktion aufzuzeigen.

Im Einzelnen ermöglicht Object-Centric Process Mining Unternehmen: 

  • alle Aktivitäten aus jeder Perspektive auf Basis einer einzigen Quelle zu betrachten,
  • Potenziale für Optimierungen an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Prozessen und Abteilungen zu identifizieren,
  • eine dreidimensionale und dynamische Ansicht auf das gesamte Unternehmen in Echtzeit zu bekommen.

Entscheidungsträger sind so in der Lage, zielgerichtete Maßnahmen auf der Grundlage realer Ereignisse zu ergreifen und Schritte zur Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele einzuleiten.

Die komplexe Abhängigkeit der Prozesse voneinander 

Mit Object-Centric Process Mining können Nachhaltigkeitsverantwortliche in Unternehmen den Beziehungen zwischen Prozessen auf den Grund gehen. Ein Beispiel: Schauen wir uns eine einzelne Online-Bestellung an. Dabei werden drei Produkte geordert. Eins dieser Produkte ist im Lager vorrätig. Die anderen beiden müssen erst noch produziert werden, wofür ein Produktionsauftrag erstellt wird. Das vorrätige Produkt wird sofort und die anderen nach ihrer Fertigstellung separat verschickt. 

Transparenz schafft die Voraussetzungen für nachhaltigeres Handeln.

Dieser Bestellprozess beinhaltet mehrere sogenannte Objekte: einen Kundenauftrag, drei Kundenauftragspositionen (das heißt die Produkte), zwei Produktionsaufträge (für die beiden nicht vorrätigen Produkte), mindestens zwei separate Sendungen und eine Rechnung. Zudem hat der Einkauf den Purchase-Order-Prozess des Einzelhändlers sowie dessen Bestandsverwaltung, Beschaffung, Lieferkette und Produktionsprozesse durchlaufen. 

Dank Object-Centric Process Mining können diese komplexen Beziehungen zwischen den verschiedenen am Einkauf beteiligten Objekten erfasst, analysiert und visualisiert werden. Mit der so geschaffenen Transparenz können Unternehmen Potenziale für nachhaltigeres Handeln identifizieren. So könnte es beispielsweise sinnvoll sein, mit der Lieferung des vorhandenen Produktes zu warten, bis die anderen beiden Produkte fertiggestellt wurden, um Versandwege einzusparen. Zudem ist es auf diese Weise möglich, eventuelle Probleme zu erkennen, die in der Produktion oder Auslieferung zu erhöhten CO₂-Emissionen führen könnten.

Geringer Ressourcenverbrauch und weniger Emissionen in den Lieferketten

Wenn man bedenkt, dass Scope-3-Emissionen – also alle indirekten Emissionen, die an der Wertschöpfungskette entstehen – bis zu 75 % der gesamten Emissionen eines Unternehmens ausmachen, besteht bei Lieferketten oft noch großes Einsparpotenzial. Leider müssen Unternehmen, die hier gegensteuern wollen, bisher bei ihren anderen Geschäftszielen oft Kompromisse eingehen, beispielsweise längere Lieferzeiten oder höhere Kosten in Kauf nehmen. Es ist wichtig, diese Reibungspunkte transparent zu machen. So können Unternehmen Entscheidungen treffen, die auf alle ihre Geschäftsziele gleichermaßen einzahlen. 

Dank optimierter Prozesse sind Unternehmen in der Lage, Durchlaufzeiten zu verkürzen, genaue Zeitpläne einzuhalten und Engpässe zu vermeiden.

Ein Beispiel hierfür sind die End-to-End-Durchlaufzeiten einschließlich der Zeit, die für den gesamten Lieferkettenprozess eines fertigen Produkts benötigt wird. Mit Object-Centric Process Mining ist es möglich, den gesamten Zeitraum der Beschaffung, Produktion und Verteilung von Fertigwaren zu überblicken und zu analysieren. Dadurch können Effizienz und Entscheidungsfindung gleich zu Beginn des Prozesses in der Beschaffung verbessert werden.

Unternehmen sind so in der Lage, Durchlaufzeiten zu verkürzen, mit den Kunden genaue Zeitpläne zu vereinbaren und Engpässe zu vermeiden. Dadurch wird auch die Effizienz des Materialeinsatzes verbessert, es können in vielen Fällen Kosten eingespart werden und die für Lieferungen verwendete Stundenanzahl und die verursachten Emissionen werden reduziert. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen somit Hand in Hand.

Verbesserte Kundenbeziehungen durch umweltbewusste Prozesse

Object-Centric Prozess Mining ermöglicht es Unternehmen, sich nicht nur als zukunftsfähig und nachhaltig zu positionieren, sondern es tatsächlich zu sein. Wenn dabei der Schutz der Umwelt nicht auf Kosten der Serviceleistungen geht, sondern diese sich, im Gegenteil, noch verbessern, fühlt sich der Kunde nicht nur ernst genommen, sondern kann auch guten Gewissens weiter dessen Dienste in Anspruch nehmen. 

Zudem können die Ergebnisse der Prozessoptimierung direkt in Zahlen erfasst und an Regierungsorganisationen oder Geschäftspartner weitergegeben werden, ohne dabei einen sonst oft erforderlichen sehr hohen manuellen Aufwand betreiben zu müssen. So verhindern Unternehmen eventuelle Strafzahlungen, und sind gerüstet für die Herausforderungen, die künftige Nachweispflichten und gesetzliche Regelungen mit sich bringen werden.


Über die Autorin

Über die Autorin

Janina Bauer ist als Global Director of Sustainability beim Münchner Softwareunternehmen Celonis dafür verantwortlich, die Nachhaltigkeitsagenda des Unternehmens voranzutreiben. Gemeinsam mit ihrem globalen Team steuert sie strategische Projekte (u. a. ESG-Reporting, Mitarbeitenden-Engagement und Co-Innovation mit Kunden und Partnern), um den Celonis Kernwert „Earth is our future“ in den Unternehmensabläufen zu verankern.

 

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