Serious Games – spielerisch lernt es sich leichter

Lebenslanges Lernen ist in der digitalen Arbeitswelt angesagt, doch der Stoff ist nicht immer leicht genießbar. Wenn’s richtig trocken wird, hilft der spielerische Ansatz – sogar bei der Bundeswehr.

Inhalte, die gemeinhin als „trocken“ bezeichnet werden, sind für viele Lernende eine hohe Hürde. Der Grund für diese Schwierigkeiten liegt häufig in einem hohen Abstraktionsgrad und dem fehlenden Bezug der Lernmaterialien zur Praxis. Ob Gesetzestexte aus dem BGB, Compliance-Richtlinien in Unternehmen oder die Funktionsweise von Finanzinstrumenten – es gibt viele Themen, bei denen sich das Gehirn vieler Menschen regelrecht sträubt, die entsprechenden Inhalte strukturiert aufzunehmen. 

„Sag es mir und ich werde es vergessen, lehre mich und ich werde mich vielleicht erinnern, beteilige mich und ich werde lernen.“ Benjamin Franklin

 

Eine Übung der anderen Art: Ein Bundeswehrsoldat schärft mittels realitätsnaher Fragestellungen seine Kenntnisse zum Thema Befehlsrecht über ein Spiel auf seinem Smartphone. (Quelle: Gamify Now!)
Eine Übung der anderen Art: Ein Bundeswehrsoldat schärft mittels realitätsnaher Fragestellungen seine Kenntnisse zum Thema Befehlsrecht über ein Spiel auf seinem Smartphone. (Quelle: Gamify Now!)

Zur Komplexität der Inhalte kommt hier häufig die Notwendigkeit einer im juristischen Sinne präzisen Formulierung, die der Veranschaulichung entgegensteht. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das Befehlsrecht der Bundeswehr. In einer Vielzahl an Paragraphen regelt es, wer wem in welcher Situation vorgesetzt ist, und welche weiteren Aspekte vor dem Ausführen eines Befehls zu prüfen sind. Denn tatsächlich zählt im Befehlsrechts nicht einfach der höhere Dienstgrad, es sind vielmehr zahlreiche Aspekte wie z. B. Fachkompetenz, Verantwortungsbereich und natürlich auch die Rechtmäßigkeit eines Befehls zu beachten. Das ist harter Stoff für die Soldaten.

Serious Games sind mehr als Spiele

Spielerische Angebote wie Serious Games können gerade beim Lernen solcher Inhalte sehr effektive Unterstützung leisten, weil sie die Anwendung von Lerninhalten erlebbar machen können. Vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) werden Serious Games als „Games with a purpose beyond play” definiert, also Spiele mit einem anderen Primärzweck als reine Unterhaltung. Dieser Spiel-Zweck besteht sehr häufig darin, Dinge zu lernen oder zu trainieren.

Deshalb setzt die Bundeswehr in der Ausbildung jetzt auch auf Serious Games. Mit dem Serious Game „Cyber Mission“, das von den Games-Experten von Gamify Now! entwickelt wurde, können angehende Offiziere und Unteroffiziere ihr Wissen im Bereich Befehlsrecht in realitätsnahen Einsatzfragestellungen anwenden, testen und verbessern.

In Aktion lernt es sich leichter

Kognitionsforscher wissen seit Langem, dass die Art der Präsentation und der Aufnahme von Lerninhalten eine entscheidende Bedeutung für den Lernerfolg hat. So werden zum Beispiel Inhalte, die lediglich gehört oder gelesen wurden, durchschnittlich nur zu fünf bis zehn Prozent erinnert. Wissen, das vom Lernenden selbst angewendet wird, bleibt dagegen bis zu 75 Prozent im Gedächtnis haften.

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Der Grund dafür ist einfach: Je mehr Interaktion mit dem Lernstoff stattfindet, desto besser behält man diesen. Deshalb sind Games in der Kategorie „Practise by doing“ zu verorten. Im Spiel kann Gelerntes sofort auf konkrete Fälle angewendet werden: Lernen, üben, wiederholen, gelerntes Wissen testen, sofort Feedback zum Lernverständnis bekommen und ggf. belohnt werden.

Für den Spieler bedeutet das, selbst aktiv zu handeln und zu erleben, statt nur zu lesen oder zuzuhören. Dieser Effekt zeigt sich auch darin, dass die meisten Menschen über ein Spiel, das sie gespielt haben, in der Ich-Form sprechen (z.B. „Ich habe die Mission erfolgreich beendet“). Der Spieler empfindet sich als Teil des Geschehens und begreift sich als handelnde Person.

Auch die neuronalen Botenstoffe „spielen“ mit

Mit dem Serious Game „Cyber Mission“ können angehende Offiziere der Bundeswehr ihr Wissen im Bereich Befehlsrecht testen und verbessern. (Quelle: Gamify Now!)
Mit dem Serious Game „Cyber Mission“ können angehende Offiziere der Bundeswehr ihr Wissen im Bereich Befehlsrecht testen und verbessern. (Quelle: Gamify Now!)

Neuropsychologisch betrachtet sind Games ein äußerst spannendes, aber auch umfassendes  Thema. Kurz gefasst, kann man sagen: Spielen triggert unser Erwartungs- und unser Belohnungssystem; deshalb können Spiele tatsächlich auch suchterzeugend wirken. Diese Wirkung beruht auf der Ausschüttung diverser neuronaler Botenstoffe. So erhöht zum Beispiel der Botenstoff Dopamin, der in überraschenden Situationen oder in Erwartung einer Belohnung ausgeschüttet wird, wirksam die Motivation des Spielenden. 

Opioide wiederum verschaffen dem Spieler nach erfolgreich gemeisterten Aufgaben belohnende Glücksgefühle. Das sind nur zwei Beispiele für die komplexen neuronalen Vorgänge, die während eines Spiels ausgelöst werden. Serious Games machen sich diese Mechanismen ebenso wie ganz normale Spiele zunutze, um den Spieler zu dem jeweils gewünschten Verhalten zu motivieren (z.B. lernen).

Games begeistern alle Altersgruppen

Aber sind Spiele wirklich auch für Soldaten oder Manager geeignet? Oder doch eher etwas für Kinder? „Tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt der aktiven Gamer in Deutschland zurzeit bei 37,5 Jahren. Von „Kinderspielen“ kann also keine Rede sein“, so Maxim Karl, General Manager von Gamify now. „Spielen ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das sämtliche Altersgruppen und Menschen unabhängig vom Geschlecht betrifft.“ Auch im Bereich der digitalen Spiele erreichen heute entsprechend konzipierte Spielangebote nahezu alle Altersgruppen. Serious Games können deshalb für Lernende aller Altersgruppen ein hilfreiches Angebot sein.

Einen besonders komplexen Sachverhalt oder abstrakte Inhalte in einem Spiel erlebbar zu machen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wenn es um juristisch relevante Themen, wie im Beispiel Bundeswehr-Befehlsrecht oder Compliance-Richtlinien geht, müssen die Inhalte absolut präzise kommuniziert werden. Gleichzeitig darf natürlich der Spielspaß nicht zu kurz kommen. 

Um ein Spiel mit optimaler Verständlichkeit, perfektem Timing, dem richtigen Verhältnis von Herausforderung, Überraschung, Fortschritt und Belohnung zu kreieren, braucht es ein hohes Maß an Expertise und Erfahrung. „Obwohl diese Entwicklung aufwändig ist, braucht man nicht für jedes gute Serious Game einen ‚Hollywood-Etat‘“, ergänzt Karl. Spielspaß und Lernwirkung lässt sich in vielen Fällen auch mit einer einfachen Grafik gepaart mit einer bewährten Spielmechanik erreichen. Wichtig ist vor allem, einen Partner zu wählen, der das Wesen des Spielens bis ins Detail versteht und in der Lage ist, dieses Prinzip mit ernsthaften Lerninhalten zu verbinden.

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