Stift schlägt Tastatur – Warum Schreibschrift schlau macht

Wer mit der Hand schreibt, ist kreativer. Jüngste Studien zeigen, wie wichtig die Handschrift ist und warum man auch im Zeitalter des Touchscreens und der Tastatur noch zu Zettel und Stift greifen sollte.

Finnland hat in einem aufsehenerregenden Schritt das Fach „Schönschreiben“ aus dem verpflichtenden Lehrplan genommen. Statt dessen sollen Kinder das Schreiben mit der Tastatur und andere Eingabetechniken trainieren. Ein konsequenter Schritt, aber war das langfristig auch wirklich eine gute Entscheidung?

Nachdem auch schon an einigen Schulen in den USA der Unterricht ebenfalls auf die Bedürfnisse von Computern und Smartphones angepasst wurde, setzt nun eine Gegenbewegung ein. Grund dafür sind verschiedene Studien, die die positive Auswirkung der Handschrift auf Gehirn und Kreativität zeigen. Ein Beispiel ist der Bundesstaat Louisiana. Hier gilt seit 2016 ein Gesetz, dass Schreibübungen für Schüler der dritten bis 12. Jahrgangsstufe vorschreibt. Neben Louisiana haben 13 weitere US-Staaten ähnliche Regelungen eingeführt.

Der Stift macht kreativer

Kinder, die Handschrift erlernen, entwickeln auch neue Fähigkeiten im Denken, hat Virginia Berninger, eine Professorin der Universität Washington und Expertin im Bereich der Handschriftenforschung, feststellt. Gegenüber der Washington Post erklärt sie: „Es gibt diesen Mythos, dass man im Zeitalter des Computers keine Handschrift braucht. Das widerspricht unseren Forschungsergebnissen. Wir haben herausgefunden, dass Kinder bis etwa zur sechsten Jahrgangsstufe mehr Wörter schreiben, schneller schreiben und mehr Ideen ausdrücken, wenn sie mit der Hand schreiben, egal ob in Blockschrift oder in Schreibschrift, als wenn sie eine Tastatur verwenden.“

Diese positiven Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf Kinder der unteren Jahrgangsstufen. Alle Altersgruppen können davon profitieren, wenn sie Stift und Papier in die Hand nehmen, um Gedanken festzuhalten.

Auch dafür gibt es Belege in Form von Studien, beispielsweise eine von Saperstein Associates (PDF). Die Autoren fanden heraus, dass die Aktivität im Gehirn ansteigt, wenn man statt eines Keyboards einen Stift in die Hand nimmt. Auch zeigt sich in mehreren psychologischen Studien (beispielsweise einer der American Psychological Association, als PDF hier), dass handschriftliche Notizen sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen dazu führen, dass Informationen länger erinnert, Gedanken besser geordnet und dass generell mehr Ideen entwickelt werden.

Mitschreiben heißt mitdenken

Was die Gründe dafür sind, ist unklar. Eine mögliche Erklärung ist, dass durch das Formen der Buchstaben mit der Hand jeweils andere Aktionen gefordert sind und so das Gehirn mehr gefordert ist. Beim Drücken der Tastatur werden stets die gleichen Muskeln benötigt. Durch die höhere Komplexität beim Schreiben mit der Hand scheinen sich auch Ideen und Konzepte tiefer im Geist zu verankern.

Auch werden wir beim Schreiben mit der Hand häufiger gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Drei Studien der Universität Princeton gibt es dazu. Es habe sich gezeigt, dass Studenten, die sich Notizen auf dem Laptop machen, meist eine schlechtere Mitschrift einer Vorlesung machen, als Studenten, die selektiv Stichpunkte per Hand notierten. Studenten mit Laptops neigen dazu eine Vorlesung einfach mitzuschreiben. Personen mit Papier und Stift hingegen verarbeiten direkt die gehörten Informationen und packen sie in eigene Worte, was offenbar den Lernprozess optimiert.

Foto: Green Chameleon via Unsplash

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