Drei von vier Unternehmen können die DSGVO nicht einhalten

Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen wird zum Stichtag den Anforderungen der DSGVO gerecht werden können. Einige Unternehmen bangen sogar um ihr Geschäftsmodell.

Rechtliche Unsicherheiten, Personalmangel und ein Arbeitsaufwand, der sich schlecht abschätzen lässt, verzögert bei einem Großteil der Organisationen die Umsetzung der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung, ergab eine repräsentative Befragung des Digitalverbandes Bitkom. Nur rund 24 Prozent der deutschen Unternehmen werden nach Ablauf der Übergangsregelung die DSGVO laut eigenen Angaben komplett umsetzen können. 

Am 25. Mai läuft die zweijährige Übergangsfrist aus. Immerhin gehen etwa 32 Prozent der Unternehmen davon aus, die strengeren Datenschutzanforderungen „größtenteils“ bis dahin umgesetzt zu haben. Etwa gleich viele sehen die Regelung zumindest teilweise umgesetzt. Wie die Umfrage zeigt, stehen am Stichtag 4 Prozent der Unternehmen noch ganz am Anfang. 2 Prozent haben auch nach diesem Datum noch nicht einmal den ersten Schritt getan. Unternehmen fordern daher die Politik auf, mehr Zeit einzuräumen oder Strafen für eine bestimmte Zeit auszusetzen.

Auch nach einer zweijährigen Übergangsfrist sind viele Unternehmen noch immer nicht für die DSGVO bereit. (Bild: Bitkom)
Auch nach einer zweijährigen Übergangsfrist sind viele Unternehmen noch immer nicht für die DSGVO bereit. (Bild: Bitkom)

Laut Umfrage können 66 Prozent der Unternehmen, die sich mit der DSGVO auseinandergesetzt haben, den Aufwand bei der Umsetzung nicht seriös abschätzen und sehen darin derzeit die größte Herausforderung. Auch befürchten 56 Prozent nach wie vor rechtliche Unsicherheiten. Der Fachkräftemangel bei entsprechend qualifizierten Mitarbeiter ist für etwa ein Viertel der Unternehmen ein Problem.

Auch wenn die DSGVO umgesetzt ist, rechnen offenbar viele Unternehmen mit höherem Aufwand. 58 Prozent gehen davon aus, künftig mehr Ressourcen für die Einhaltung der neuen Datenschutzregeln aufwenden zu müssen. Rund ein Drittel geht sogar von einem deutlich höheren Aufwand aus. Laut Bitkom „rechnet kein einziges Unternehmen mit weniger Arbeit durch die neuen Datenschutzregeln“. Für 50 Prozent scheinen sich laut Befragung die Geschäftsprozesse zu verkomplizieren.

Angst um das eigene Geschäftsmodell

„Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen wird die DSGVO auch langfristig zu deutlichen Belastungen führen“, glaubt Bitkom-Präsident Achim Berg. Viele Unternehmen hätten sich in der Vergangenheit zu wenig um den Datenschutz gekümmert und hätten deshalb Nachholbedarf. Allerdings sieht er auch die Politik in der Pflicht: „Bei der Auslegung der Datenschutz-Grundverordnung mangelt es von offizieller Seite bis heute an praktischen Hilfestellungen.“

Vier von zehn befragten Unternehmen fordern daher eine verlängerte Schonfrist, die mögliche Sanktionen aussetzt. 49 Prozent wünschen sich, dass Aufsichtsbehörden bei Verstößen zunächst nur zu Nachbesserungen auffordern sollten. „Auch für die Behörden muss das Motto zunächst einmal lauten: helfen statt bestrafen“, so Berg, der unter anderem unklare Formulierungen in der Verordnung sieht, die den Unternehmen nicht zum Nachteil ausgelegt werden sollten.

Immerhin erhoffen sich 70 Prozent der Unternehmen durch die DSGVO einheitlichere Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU. Gut die Hälfte sieht in der neuen Regelung sogar einen Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen und 43 Prozent glauben, mit dem eigenen Unternehmen davon profitieren zu können. Rund 38 Prozent der Unternehmen glaubt jedoch, dass die DSGVO die Digitalisierung in Europa ausbremst, ein Drittel befürchtet einen Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen. Jedes zehnte der insgesamt 505 befragten Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sehen durch die Neuregelung des Datenschutzes sogar eine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell.

Der Bitkom veröffentlicht verschiedene Praxisleitfäden und Hilfestellungen zur neuen Datenschutzverordnung.

Titelfoto: iStock

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